Ordens-Wiki

Im Ordens-Wiki erklären wir Begriffe zum Ordensleben und Apostolat der Barmherzigen Brüder. 

A

Aktive Orden

Die aktiven Orden sehen in der Regel in der gemeinsamen Eucharistiefeier die geistliche Mitte des Tages. Die Gebetszeiten werden gewöhnlich in einfacher Form verrichtet, das heißt, gemeinsam rezitiert. Das Apostolat der aktiven Orden kann sich sehr unterschiedlich gestalten. Sehen die meisten ihre Aufgabe in der seelsorglichen Betreuung verschiedener Bereiche und Personengruppen, so widmen sich andere der Krankenpflege, der Sozialarbeit, der Erziehungstätigkeit und den verschiedensten karitativen Tätigkeiten und Dienstleistungen am Menschen. Heute kommt der Neuevangelisierung in der Dritten und Vierten Welt sowie der missionarischen Dimension, nicht zuletzt in der eigenen Heimat, eine besondere Bedeutung für die tätigen Orden zu.

Von außen betrachtet könnte man nun meinen, die Arbeit der aktiven Orden wäre zeitgemäßer und realistischer als die der beschaulichen, (kontemplativen) Gemeinschaften. Orientiert man sich jedoch am Gespräch, das Martha, Maria und Christus miteinander führen, in dem der Herr der beschaulichen und stillen Art der Maria scheinbar den Vorzug gibt, so wird der Stellenwert der kontemplativenGemeinschaften gerade in unserer schnelllebigen Zeit deutlich.

Apostolat

Apostolat (vom lat. „apostolatus“) bezeichnet Rang und Würde des Trägers einer Sendung. Im weiteren Sinne ist mit Apostolat die Beauftragung und Sendung zu einem Dienst oder zur Erfüllung eines Auftrages gemeint. Im neutestamentlichen Sprachgebrauch steht das Wort „Apostolat“ zunächst für das Apostelamt, wird dann auf Matthias, Paulus und die Apostelschüler ausgedehnt.
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: „Jede Tätigkeit des mystischen Leibes zur Ausbreitung der Herrschaft Christi über die ganze Erde, im Sinne der Teilhabe aller Menschen an der heilbringenden Erlösung, wird Apostolat genannt.“ Somit erfährt der Begriff „Apostolat“, im Sinne der Neuevangelisierung, eine umfassende Bedeutung für alle, die in irgendeiner Form im Dienste der Kirche tätig sind, sei es in der Verkündigung oder in der Caritas.

Armut

Armut ist neben Ehelosigkeit, Gehorsam und Hospitalität eines der vier Gelübde, die die Barmherzigen Brüder ablegen. Armut heißt für uns, kein Eigentum zu haben. Alles, was wir besitzen, gehört der Gemeinschaft. Der Orden stellt uns aber Essen, Trinken, Kleidung und Unterkunft und was wir sonst für unser Leben benötigen in angemessener Form zur Verfügung. Der Hintergrund dieses Gelübdes: Die Besitzlosigkeit macht uns offener für die Nöte anderer Menschen.

B

Berufung

Berufung 

Gott beruft Menschen zu einer bestimmten Lebensform oder Aufgabe. Wer sich auf diesen oft leisen Ruf Gottes einlässt, den es aufmerksam anzuschauen gilt, erkennt seinen persönlichen Weg, den Gott mit ihm oder ihr gehen möchte. Als Barmherzige Brüder folgen wir -  neben den klassischen Ordensgelübden der Armut, des Gehorsams und der ehelosen Keuschheit - der Berufung zur Hospitalität

Siehe auch Berufen? - Orden der Barmherzigen Brüder Bayern

C

Charta der Hospitalität
Charta der Hospitalität

Auf internationaler Ebene wurde von Brüdern und Mitarbeitern gemeinsam die Charta der Hospitalität ausgearbeitet, mit der versucht wird, auf die neuen Forderungen der Hospitalität zeitgemäße Antworten zu finden. Die Charta bietet Leitlinien für alle Bereiche unseres Apostolates an, die durch Sensibilisierung und Fortbildung an die Mitarbeiter des Ordens weitertransportiert werden sollen. Unser karitativer Auftrag hat einen grundlegend evangelisierenden Charakter, weswegen allen Menschen, die zu uns kommen, die Möglichkeit angeboten werden muss, Gott zu begegnen. Dieses wesentliche Element unseres Sendungsauftrages will der Orden dadurch zur Entfaltung bringen, dass er in seinen Einrichtungen für das Thema des Lebens in seiner Unantastbarkeit hellhörig ist, eine innovative religiöse Betreuung anbietet, eine qualifizierte pastorale Ausbildung fördert, eine fachlich anerkannte und qualitativ gute Ausbildung leistet und wirksame pastorale Betreuungsformen für neue Bedürfnisgruppen entwickelt.

D

Defintorium

Bei Definitorien handelte es sich ehemals um kollegiale Leitungsorgane, in denen der Abt, Propst, General, Provinzial usw. in der Form eines primus inter pares (Erster unter Gleichen) Mitglied wie die anderen Definitoren war bzw. Stimme wie die anderen Definitoren hatte, aber mit der zusätzlichen Aufgabe betraut war, das kollegial und mehrheitlich Beschlossene durchzuführen.

Heute wird der Begriff Definitorium im Kanonischen Recht und allen authentischen Folgearbeiten nicht mehr benutzt. Wenn man im Hospitalorden von Definitorium spricht, bezieht man sich damit auf das gemeinsame, beschließende oder beratende Handeln des Oberen mit seinem Rat, wobei die jeweils zu beschließenden oder zu beratenden Akte entweder von Rechts wegen vorgesehen oder von der zuständigen Autorität veranlasst worden sein können, welche nach wie vor in der Regel vorwiegend personengebunden ist.

Siehe Generaldefiniorium und Provinzdefinitorium.

Delegat

Delegat bezeichnet in der Ordenssprache eine Person, dem Vollmacht oder Entscheidungsbefugnis zur Durchführung genau festgelegter Handlungen auf exekutiver, rechtlicher, administrativer, aber auch spiritueller Ebene übertragen wurden. Deswegen handelt es sich weder um ein autonomes noch um ein ordentliches Amt im engen Sinne des Wortes, sondern um eine personengebundene Aufgabe, die, je nach Maßgabe dessen, der die Delegation vornimmt, auf bestimmte Zeit übertragen und nach Belieben wieder zurückgenommen werden kann. Der Delegierende kann, muss aber nicht immer ein Oberer sein.

Der Delegat hat, wo immer notwendig, die Pflicht, die Delegation (übertragenen Vollmachten und Entscheidungsbefugnisse), die er erhalten hat, auszuweisen und zu dokumentieren. Handelt er über seine Vollmachten hinaus, ist sein Handeln nicht rechtswirksam.

E

Ehelosigkeit

Ehelosigkeit ist neben Armut, Gehorsam und Hospitalität eines der vier Gelübde, die die Barmherzigen Brüder ablegen. Die Bindung an einen Partner und die Verantwortung für eine Familie würde unseren Freiraum, unsere Zeit und die Einsatzbereitschaft für den Dienst am Bedürftigen erheblich einschränken. Trotzdem ist die Ehelosigkeit nicht mit einem Singleleben zu vergleichen. Denn wir leben nicht allein, sondern in der Gemeinschaft mit unseren Brüdern. Dieses Zuhause gibt uns Halt für unsere gemeinsame Aufgabe und unser Leben.

Ehrenmitgliedschaft

Der Orden hat den Wunsch, Personen und Gruppen, die sich unserer Gemeinschaft besonders verbunden fühlen, an den geistlichen Gütern des Ordens teilhaben zu lassen. Dies bringt er durch die Zuerkennung der Ehrenbruderschaft (Ehrenmitgliedschaft) zum Ausdruck, welche vom General im Namen des gesamten Ordens gewährt wird. Die Bedingungen sind folgende: Bekenntnis des christlichen Glaubens; beispielhaftes Verhalten in Privat-, Familien- und Berufsleben und Wertschätzung für unseren Orden, welche sich in einer bemerkenswerten Förderung seines Werkes der Hospitalität gezeigt hat. 

Personen und Gruppen, die, gedrängt vom Beispiel des heiligen Johannes von Gott und von seinem Werk der Barmherzigkeit, ebenfalls in beachtenswerter Weise am Auftrag des Ordens mitwirken, jedoch nicht die vorstehend aufgeführten Bedingungen erfüllen, soll die Dankbarkeit des Ordens in einer Weise, die man am angemessensten hält, zum Ausdruck gebracht werden. 

Eigenfeste des Ordens

Eigenfeste des Ordens

Wohl allen Mitgliedern der Dienstgemeinschaften der Barmherzigen Brüder und den Freunden des Ordens ist bekannt, dass am 8. März das Fest des heiligen Johannes von Gott gefeiert wird. Wer darüber hinaus an den liturgischen Feiern der Brüder Anteil nimmt, wird feststellen, dass es eine ganze Reihe von Gedenktagen, Festen und Hochfesten gibt, die für die Ordensgemeinschaft eine besondere Rolle spielen. Aber nicht jeder Gedenktag, jedes Fest oder Hochfest, das die Brüder feiern, findet man auch im liturgischen Kalender einer Pfarrei oder in den allgemeinen Abreiß- und Wandkalendern. Die Begründung dafür: es handelt sich um Eigenfeste des Ordens. Doch was steht hinter diesem Begriff?

Bei einer Heilig- oder Seligsprechung legt der Heilige Vater fest, ob das Jahresgedenken des neuen Seligen bzw. Heiligen in der Gesamtkirche, einer Region, einem Land oder nur in einer Diözese oder der betreffenden Ordensgemeinschaft gefeiert wird. So wird zum Beispiel das Hochfest des heiligen Johannes von Gott in der Gesamtkirche gefeiert. Sein Gedenktag findet sich auch auf Abreiß- und Wandkalendern. Der heilige Richard Pampuri wird jedoch nur in der Diözese Mailand und im Orden der Barmherzigen Brüder gefeiert. Deshalb wird man seinen Gedenktag vergebens in den Kalendern suchen. Neben dem Jahresgedenken von Seligen und Heiligen begehen die Barmherzigen Brüder noch liturgische Feiern, die sich aus der Ordensgeschichte ergeben. So zum Beispiel im November das Hochfest Maria Schutzpatronin des Ordens oder im Mai den Gedenktag des Johannes von Avila, dem Seelenführer des heiligen Johannes von Gott.


Die Eigenfeste der Barmherzigen Brüder

12. Februar
Gedenktag des selligen José Olallo Valdés, Barmherziger Bruder 

8. März
Hochfest des heiligen Johannes von Gott, Gründer des Ordens der Barmherzigen Brüder

24. April
Gedenktag des heiligen Benedikt Menni, Barmherziger Bruder und Priester

26. April
Gedenktag Maria vom guten Rat

4. Mai
Gedenktag des heiligen Richard Pampuri, Barmherziger Bruder

10. Mai
Gedenktag des heiligen Johannes von Avila, Seelenführer des heiligen Johannes von Gott

3. Juni
Gedenktag des heiligen Johannes Grande, Barmherziger Bruder

10. Juni
Gedenktag des seligen Eustachius Kugler, Barmherziger Bruder

28. August
Fest des Kirchenlehrers Augustinus, Regelvater der Barmherzigen Brüder

29. September
Fest des heiligen Erzengels Raphael

25. Oktober
Gedenktag der 95 spanischen Märtyrer, Barmherzige Brüder

28. November
Gedenktag der Reliquienübertragung des heiligen Johannes von Gott

Dritter Samstag im November 
Maria Schutzpatronin des Ordens

Eigenrecht des Ordens

Mit dem Eigenrecht ist die Gesamtheit der ordenseigenen bzw. ordensspezifischen Normen, Bestimmungen und Regelungen gemeint, welche das Leben und den Auftrag des Ordens in Kirche und Welt regeln. Dieses Regelwerk muss in strikter Übereinstimmung mit dem allgemeinen Recht stehen.

Die Struktur des Eigenrechts umfasst von oben nach unten in engem Zusammenspiel: a) die Konstitutionen als „Codex praecipuus bzw. primarius“ (Kerngesetzbuch); b) die Generalstatuten, c) themenspezifische Satzungen oder Regelungen; d) Kapitelbeschlüsse auf General-, Provinz- und Hausebene; e) Verfügungen der Oberen auf General-, Provinz- und Hausebene; f) Brauchtümer, Sitten, Traditionen, Privilegien, Vergünstigungen.

Siehe Konstitutionen und Generalstatuten

Evangelische Räte

Evangelische Räte werden in der katholischen Kirche Worte des Evangeliums genannt, die für das christliche Leben nicht unbedingt geboten, wohl aber angeraten und in ihrer Befolgung Ausdruck der Freiheit aus der Gnadengabe Gottes sind: ehelose KeuschheitArmut und Gehorsam. Die Evangelischen Räte wollen keine zweistufige Moral begründen, sondern bleiben dem christlichen Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe untergeordnet und weisen nur einen eigenen Weg zur christlichen Vollendung.

Seit dem Mittelalter gingen die Evangelischen Räte ein in die Gelübde der Ordensgemeinschaften. Ein Gelübde ist in den Religionen allgemein ein feierliches Versprechen (Profess), in dem sich der Gelobende zu etwas verpflichtet. Neben den drei klassischen Ordensgelübden Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam geloben die Barmherzigen Brüder als viertes die Hospitalität.

Exerzitien

Exerzitien

„Geistliche Übungen“ ist im allgemeinen der deutsche Begriff für Exerzitien. Untrennbar ist diese Form der Spiritualität mit dem Namen des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556) verbunden. Er hat frühere Erfahrungen des geistlichen Lebens aufgegriffen und mit dem Akzent der Orientierung des eigenen Lebens am Leben Jesu Christi bereichert.

Exerzitien dienen nicht vordergründig der Selbstfindung, sondern der Orientierung zur Entscheidungsfindung bzw. der Überprüfung des eingeschlagenen Lebensweges. Der Exerzitienbegleiter (Leiter der Exerzitien, früher auch Exerzitienmeister genannt) gibt geistliche Impulse, greift aber nicht in die Entscheidung dessen ein, der Exerzitien macht. In der persönlichen Meditation des Lebens Jesu und im Gespräch mit dem Exerzitienbegleiter soll sich der eigene Lebensweg abzeichnen. Es gibt Einzel- und Gruppenexerzitien.

In den letzten Jahren werden verstärkt auch „Exerzitien im Alltag“ angeboten. Sie sind der Versuch, nicht in der Ruhe und Abgeschiedenheit eines Exerzitienhauses, sondern im Umfeld des Alltags den Weg der Exerzitien zu gehen.

Klassische Exerzitien enden mit dem geistlichen Impuls „zur Erlangung der Liebe“. Der Grundgedanke dabei ist: Gott in allen Dingen finden.

F

Familiengespräch

Beim Familiengespräch es sich um die Versammlung aller Mitglieder einer Kommunität.
Die Bezeichnung „Familiengespräch“ will den einfachen, spontanen,
vertraulichen und angenehmen Charakter hervorheben, den diese
Versammlungen haben sollen. Hauptzweck der Familiengespräche ist, das
brüderliche Miteinander durch Dialog und offene Kommunikation zu pfl egen
und zu fördern.

In den Kommunitäten des Ordens soll wenigstens einmal im Monat ein Familiengespräch
stattfi nden. Bei den Familiengesprächen soll die gemeinsame
Lebensordnung erstellt, geprüft und evaluiert werden sowie andere
gemeinschaftliche Aspekte besprochen werden. Die Familiengespräche
sind der ideale Ort für den Bruder, um im Geist der Hospitalität seine Ideen,
Zweifel, Fragen und Sorgen zum Ausdruck zu bringen.

Frater oder Pater?

Frater oder Pater?

Viele Zeitgenossen haben ihre liebe Not mit den in der Kirche üblichen Anreden und Bezeichnungen. Dann wird kurzerhand aus „Frater Emerich Steigerwald“ einfachheitshalber ein „Herr Steigerwald“, ohne so recht zu bedenken, dass es bei der Anrede „Frater“ oder „Pater“ um mehr als eine Bezeichnung, nämlich um eine bewusste Haltung als Ordenschrist geht.

Selbst im kirchlichen Umfeld Sozialisierte können zwar noch mit der Bezeichnung „Pater“ umgehen, aber „Frater“? So wird durch Unsicherheit aus „Frater Emerich“ ein „Pater Emerich“.

Wofür stehen die Anreden „Frater“ und „Pater“?

Die lateinische Übersetzung von Pater und Frater: „Vater“ und „Bruder“ bringt erstes Licht in das Dunkel. Da die Anreden „Pater“, „Frater“ und „Bruder“ in den verschiedenen Ordensgemeinschaften unterschiedlich gehandhabt werden, gilt die folgende Erklärung speziell für die Situation bei den Barmherzigen Brüdern. Die Anrede „Pater“ bezieht sich auf Ordensmitglieder, die Priester sind. Es werden aber auch die Prioren und der Provinzial mit „Pater“ angesprochen, obwohl diese in der Regel keine Priester sind. Diese Anrede – „Pater Prior“, „Pater Provinzial“ – ist ein Zeichen der Achtung vor der Verantwortung, die der Betreffende für den Konvent, für die Provinz hat. „Frater“ ist die Anrede für den Barmherzigen Bruder, der nicht Priester und nicht mit einer speziellen Leitungsaufgabe betraut ist.

Das Wort „Pater“ („Vater“) hat auch eine programmatische Bedeutung: In väterlicher Sorge soll der Priester seine Aufgabe an der Gemeinschaft und den Gläubigen ausüben bzw. der Prior und Provinzial in väterlicher Sorge für die Mitbrüder da sein. Ebenso ist es mit dem lateinischen Wort „Frater“ für „Bruder“, das eine direkte Anlehnung an das Selbstverständnis des heiligen Johannes von Gott zulässt, der sich selbst als Bruder aller bezeichnete. In diesem Geist sollen wir für die uns Anvertrauten, für die Mitglieder der Dienstgemeinschaft und für die Freunde und Bekannten des Ordens da sein.

G

Gehorsam

Gehorsam ist neben ArmutEhelosigkeit und Hospitalität eines der vier Gelübde, die die Barmherzigen Brüder ablegen. Mit unserem Eintritt bei den Barmherzigen Brüdern entscheiden wir uns, Teil der Gemeinschaft zu werden. Damit ordnen wir uns auch den Entscheidungen des Ordens unter. Es ist ja letzten Endes wieder im Sinne des Einzelnen, dass Entscheidungen im Interesse der Gemeinschaft und durch sie getroffen werden. Deshalb hat dieser Gehorsam auch nichts mit Unterdrückung oder Entmündigung zu tun. Vielmehr mit Verständnis füreinander und mit Vertrauen zueinander.

Gelübde

Gelübde

Evangelische Räte werden in der katholischen Kirche Worte des Evangeliums genannt, die für das christliche Leben nicht unbedingt geboten, wohl aber angeraten und in ihrer Befolgung Ausdruck der Freiheit aus der Gnadengabe Gottes sind: ehelose KeuschheitArmut und Gehorsam. Die Evangelischen Räte wollen keine zweistufige Moral begründen, sondern bleiben dem christlichen Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe untergeordnet und weisen nur einen eigenen Weg zur christlichen Vollendung.

Seit dem Mittelalter gingen die Evangelischen Räte ein in die Gelübde der Ordensgemeinschaften. Ein Gelübde ist in den Religionen allgemein ein feierliches Versprechen (Profess), in dem sich der Gelobende zu etwas verpflichtet. Neben den drei klassischen Ordensgelübden Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam geloben die Barmherzigen Brüder als viertes die Hospitalität.

Gemeinsame Lebensordnung

In der gemeinsamen Lebensordnung äußert sich der gemeinsame Wille, Leben und Auftrag der Kommunität und ihrer Mitglieder in strukturierter Form zu planen und zu organisieren. Dabei müssen sowohl den Forderungen des allgemeinen Rechts und des Eigenrechts wie auch den konkreten Gegebenheiten der Kommunität Rechnung getragen werden. Die Lebensordnung muss regelmäßig überprüft werden.

In den Generalstatuten des Ordens ist festgelegt, dass sich jede Kommunität eine gemeinsame Lebensordnung geben muss und dass sie dem Provinzial zur Genehmigung vorgelegt werden muss. Dadurch soll eine einheitliche Abstimmung, Wirksamkeit und Treue in Hinordnung auf das Ordenscharisma gewährleistet sein. Die Generalstatuten geben auch die konkreten Lebensbereiche an, die in der gemeinsamen Lebensordnung bedacht werden müssen.

Generaldefinitorium

Die Generalräte oder -definitoren werden von den Mitgliedern des Generalkapitels auf Vorschlag des Ordensgenerals gewählt. Sie arbeiten mit dem General in der Leitung des Ordens zusammen. Die Generalräte unterbreiten dem General ihre Ratschläge, sooft sie darum gefragt werden und immer, wenn sie dies im Herrn für gut halten. Die Generalräte müssen Mitbrüder mit wenigstens sechs Jahren feierlicher Profess sein. Zusammen mit dem General bilden sie das Generaldefinitorium.

 

 

Generaldelegatur

Generaldelegatur

Die Bezeichnung Provinz umschreibt eine Organisationseinheit innerhalb eines Gesamtordens. Das Wort Provinz ist dem römischen Recht entliehen und war die Bezeichnung für ein Verwaltungsgebiet außerhalb Italiens.

Eine Ordensprovinz besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Provinzial und seinem Rat geleitet. Wenn es notwendig ist, kann ein Provinzkapitel beschließen, dass einzelne Häuser der Provinz zu einer Provinzdelegatur zusammengeschlossen werden. Diese wird von einem Provinzdelegaten und seinem Rat geleitet, die vom Provinzial ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit vom zuständigen Provinzial treffen. Wenn sich eine Provinzdelegatur oder eine Gründung so gut entwickelt, dass sie in absehbarer Zeit zu einer selbstständigen Provinz erhoben werden kann, gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Schritt vorzubereiten: Die entsprechenden Einrichtungen werden zur Generaldelegatur erhoben. Diese wird von einem Generaldelegaten und seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit von der Generalkurie treffen. Der andere Weg: Die betreffenden Häuser werden zu einer Vizeprovinz erhoben, sie besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Vizeprovinzial mit seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden.

Generalkapitel

Generalkapitel

Familiengespräch, Konvent-, Provinz- und Generalkapitel

Ursprünglich stand das Wort „Kapitel“ für einen Abschnitt aus der Ordensregel. Später bezeichnete dieses Wort die Versammlung von Ordensleuten im Sinne eines Leitungsorgans. In den Klöstern monastischer Orden gibt es einen eigenen Kapitelsaal für diese Zusammenkünfte. Die Durchführung von Kapiteln ist im allgemeinen Ordensrecht der katholischen Kirche geregelt, lässt aber den einzelnen Orden die Möglichkeit, in ihrem Eigenrecht (Konstitu-tionen und Generalstatuten) spezifische Richtlinien festzulegen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich bei den Barmherzigen Brüdern ein struktureller Wandel vollzogen, der die leitenden Mitarbeiter stärker in die Entscheidungsprozesse der wirtschaftlichen Leitung der Einrichtungen einbindet. Hierzu wurden Direktorien installiert. Dies hatte Auswirkungen auf die Konventkapitel. Deshalb wurde neben dem Konventkapitel das Familiengespräch eingeführt. Im Konventkapitel werden die kirchenrechtlichen Dinge abgehandelt: Wahlen, Aufnahmen in den Orden, Abstimmung zur Ablegung der Profess. Themenbereiche des alltäglichen Gemeinschaftslebens werden im monatlichen Familiengespräch behandelt.

Die Konstitutionen der Barmherzigen Brüder formulieren zu den Konventkapi-teln/Familiengesprächen:

  • Bereitschaft zum Dialog und zur Mitverantwortung eines jeden Bruders für das Gelingen des Gemeinschaftslebens;
  • Überdenken und Beraten aller Themenbereiche des Gemeinschaftslebens;
  • Beratungen zur wirtschaftlichen Situation des Konventes.

Zu den Provinzkapiteln:

  • Überprüfung aller Gesichtspunkte zum Stand des religiösen Lebens der Provinz;
  • Behandlung der Richtlinien und Beschlüsse des Generalkapitels, ferner Überlegungen, wie diese vor Ort umgesetzt werden können;
  • Wahl des Provinzials, der Provinzräte (Definitorium), der Provinzdelegaten, der Hausoberen, der Magister der PostulantenNovizen und Scholastiker.


Zu den Generalkapiteln:

  • Überprüfung des Standes des religiösen Lebens im Orden nach der Lehre der Kirche;
  • Förderung von und Suche nach glaubwürdigen Zeugnissen, das Charisma der Hospitalität zu leben;
  • Interpretation von Fragen, die die Konstitutionen und Generalstatuten betreffen;
  • Wahl des Generals und der Generalräte;
  • Erlass von Dekreten, die für das Wohl des Ordens nützlich sind.


Bei den Barmherzigen Brüdern findet das Generalkapitel alle sechs Jahre, die Provinzkapitel finden alle vier Jahre statt. Das Konventkapitel bzw. Familiengespräch kann bei Bedarf vom Prior einberufen werden. In der Regel soll monatlich ein Familiengespräch stattfinden. Wegen des Umfangs der zu behandelnden Themen bei General- und Provinzkapiteln gibt es eigene Vorbereitungskommissionen, die Tischvorlagen erarbeiten, gegebenenfalls zu einzelnen Sachthemen Fachleute einladen sowie die Tagesordnung und den Ablauf strukturieren.

General- und Provinzkurie

Kurie bedeutete ursprünglich Haus, Wohnung oder auch Wohnsitz und bezog sich insbesondere auf den Sitz der Kirchen- und Ordenshierarchie: Papst, Bischof, General, Provinzial und gleichgestellte Obere.

In der Kurie wohnen häufig auch die jeweiligen Räte der Oberen und andere Personen, welche in Leitung und Verwaltung mit obengenannten Oberen zusammenarbeiten.

In unserem Orden gibt es die Generalkurie und die Provinzkurien (häufig auch Generalat bzw. Provinzialat genannt). Sie dienen der Leitung, Animation, Koordination und Kontaktpflege mit internen und externen Stellen und Personen. Wenn es einen Wechsel dieser Sitze gibt, muss er allen Betroffenen rechtzeitig mitgeteilt werden.

Generalprior

Der Ordensgeneral oder Generalprior ist zuerst das Band der Einheit des ganzen Ordens. Mehr als jeder andere hat er die Pflicht, den Geist des Ordens unter den Mitbrüdern, in unseren Einrichtungen und insgesamt in der Johannes von Gott Familie zu bewahren und in Treue weiterzuentwickeln.

Er ist der oberste Leiter des gesamten Ordens, einschließlich aller Einrichtungen und Personen: Brüder, Kandidaten und Mitarbeiter. Er ist der höchste der höheren Oberen. Er handelt allein oder mit seinem Rat. Er ist ebenfalls die höchste und letzte persönliche Autorität, mit oder ohne seinen Rat, in Bezug auf alle institutionellen Strukturen des Ordens.

Er ist der Vertreter des Gesamtordens sowohl unter kirchenrechtlichem als auch unter staatsrechtlichem Gesichtspunkt. Seine Autorität besitzt eigene, ordentliche, ausführende und delegierende Gewalt. Im Kodex des Kanonischen Rechts begegnen wir der Bezeichnung „General“ nicht mehr.

Generalstatuten

Die Generalstatuten sind das „zweite Gesetzbuch“ des Ordenslebens und Ordensauftrags in unserer Ordensgemeinschaft. Praktisch handelt es sich um Anwendungs- und Durchführungsbestimmungen in Bezug auf die Konstitutionen gemäß den Forderungen von Ort und Zeit im Verhältnis zu Kirche und Welt. Sie werden vom Generalkapitel erstellt und approbiert und vom General promulgiert (= in Kraft gesetzt).

Die Wortzusammensetzung „Generalstatuten“ nimmt Bezug auf den ordensweiten Charakter des Regelwerkes und beinhaltet, dass Partikularstatuten, d.h. sektorielle bzw. themenspezifische Regelungen, deren Bezeichnung von Ort zu Ort verschieden sein kann, erstellt werden können.

Granatapfel

Granatapfel

Wohl die wenigsten erkennen im Wappen des Ordens der Barmherzigen Brüder eine stilisierte Frucht mit Kreuz: den Granatapfel. Aber selbst wenn man diesen Granatapfel erkannt hat, stellt sich die Frage, weshalb ist der Granatapfel mit dem Kreuz das Wappen des Ordens der Barmherzigen Brüder?

Hierfür lassen sich zwei Begründungen anführen:

Zum einen hat der heilige Johannes von Gott den Orden der Barmherzigen Brüder in der spanischen Stadt Granada gegründet. Der Granatapfel stand Pate bei der Namensgebung dieser andalusischen Stadt, die diese Frucht auch in ihrem Wappen führt. Eine weitere Begründung ist die Tatsache, dass der Granatapfel ein uraltes Symbol der Liebe, Fruchtbarkeit und Unssterblichkeit ist. Der mit einem Kreuz gekrönte Granatapfel ist der symbolisierte Auftrag der Barmherzigen Brüder, motiviert durch die christliche Botschaft (Kreuz), Kranken, Hilfsbedürftigen und hilfesuchenden Menschen in Liebe (Granatapfel) nahe zu sein und Hilfe und Hoffnung zu bringen.

Theo Schmidkonz SJ schreibt über den Granatapfel: „Außergewöhnlich wie der wunderbare Granatapfel selbst sind auch die Legende und der Mythos dieser wunderbaren Frucht. Sie hatte schon rein äußerlich wegen der Farbe und der Blütenkelchkrone etwas verlockend Anziehendes an sich. So – und mehr noch wegen ihres schmackhaften kernigen Inhalts – wurde sie bei vielen Völkern zum Symbol der Liebe. Ihre auffallend zahlreichen Samenkörner wiederum machten sie zu einem Garantiezeichen für große Fruchtbarkeit. In der runden, fast radförmigen Struktur der aufgeschnittenen Frucht sah man einen Hinweis auf das Geheimnis des Ewigen, auf die Unsterblichkeit.

Die Kirche hat von Anfang an von Gott und dem Mensch gewordenen Gottessohn in Bildern und Gleichnissen erzählt. So wurde auch der Granatapfel schon bald zu einem ansprechenden Symbol für Jesus, den Christ: ein Zeichen für seine faszinierende Liebe und Hingabe für alle. Eine Botschaft gleichsam, dass sein Leben und Lieben für die Welt fruchtbar und zum Heile war. Der Granatapfel ist schließlich auch eine Verheißung, dass dieser Jesus uns ewiges Leben bringt und damit die Unsterblichkeit.“

H

Habit

Habit

Bereits in der frühen Kirche war der Kleiderwechsel und das Anziehen eines Habits Ausdruck eines asketischen Lebens. Als Standeskleidung ist die Ordenstracht doppelt begründet: einmal als Zeichen der Zugehörigkeit zum Ordensstand, zum anderen als Unterscheidungsmerkmal im Blick auf andere Ordensgemeinschaften. Die feierliche Überreichung des Ordenskleides in der Zeremonie der Einkleidung ist nach den jeweiligen Satzungen der Orden ein Bestandteil der Aufnahme in die Gemeinschaft.

Die spezifische Ordenstracht einzelner Gemeinschaften hat sich im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte ihres Bestehens immer wieder verändert. Beeindruckend ist die Vielfalt der verschiedenen weiblichen Ordenstrachten. In den letzten Jahrzehnten sind eigene kleine Museen zu diesem Thema entstanden.

In den Generalstatuten des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott lesen wir in Artikel 74: „Der Ordenshabit, den wir bei der ersten Profess erhalten, besteht aus einem Talar, der von einem auf der linken Seite herabhängenden Ledergürtel zusammengehalten wird und aus einem Skapulier mit einer Kapuze. Der Ordenshabit ist von schwarzer Farbe. ... Wenn die Mitbrüder den Habit nicht tragen, sollen sie sich immer bescheiden kleiden und nach dem Landesbrauch ein äußeres Zeichen haben, das ihren Stand als Gott geweihte Personen ausweist.“

Die Konstitutionen der Barmherzigen Brüder sagen zum Thema Habit: Er ist ein Zeichen des gottgeweihten Lebens und ein Zeichen der Armut (vgl. Artikel 68). Der Gürtel eines Habits wird auch als Zingulum bezeichnet. Die Form, wie ihn die Barmherzigen tragen, ist ein Hinweis darauf, dass der Orden die Regel des heiligen Augustinus befolgt. Bei dem Skapulier handelt es sich ursprünglich wohl um eine Arbeitsschürze. Theologisch wird das Skapulier als Weihe an die Gottesmutter Maria gedeutet, die den Barmherzigen Brüdern besonders am Herzen liegt.

Hausoberer (Prior)

Der Hausobere, auch Prior genannt, besitzt eigene ordentliche Gewalt und leitet die Kommunität einer Niederlassung. Der Wortteil „Haus“ bezeichnet den Ort, an dem die ihm anvertrauten Personen wohnen und zusammenleben. Diese können jedoch ihr Apostolat auch irgendwo anders ausüben. Zu seinen Funktionen und Pflichten gehören u.a. die Residenzpflicht, die Veranlassung der Ausarbeitung der gemeinsamen Lebensordnung und die Leitung der Familiengespräche. Er handelt mit oder ohne seinen Rat, den er jedoch verpflichtend haben muss. Er ist unmittelbar dem Provinzial der Provinz untergeordnet, zu dem das Haus bzw. die Kommunität, die er leitet, gehören.

Hospitalität

Hospitalität

Wir Barmherzigen Brüder legen nicht nur die klassischen drei Mönchsgelübde - ehelose KeuschheitArmut und Gehorsam - ab, sondern auch ein viertes Gelübde, das der Hospitalität. Hospitalität lässt sich, einfach ausgedrückt, mit dem Wort Gastfreundschaft übersetzen. Man muss dieses Wort Gastfreundschaft jedoch biblisch interpretieren, um zu verstehen, was Hospitalität im Geist der Tradition des heiligen Johannes von Gott bedeutet.

Die Konstitutionen des Ordens der Barmherzigen Brüder sehen den Ursprung dieses Gelübdes im Leben Jesu selber, der, vom Geist gesalbt und gesandt, den Armen die Frohe Botschaft brachte und die Kranken heilte (vgl. Lukas 4,18-19). Die Konsequenz der gelobten Hospitalität wird von den Konstitutionen mit drei knappen Sätzen umschrieben: sich für die Rechte der Person einzusetzen und über sie zu wachen; der Mensch hat das Recht, geboren zu werden und menschenwürdig zu leben; er hat den Anspruch auf Pflege in seiner Krankheit und das Recht, in Würde zu sterben. Diese sehr knappen Aussagen müssen auf den jeweiligen Zweck der Einrichtung hin interpretiert werden. Das geschieht zum Beispiel durch die Leitbilder oder auch durch die Charta der Hospitalität (2000/2013). Maßstab für diese Interpretation ist das Leben des Ordensgründers Johannes von Gott.

„Das Handeln des Johannes von Gott für die Armen und Kranken überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein Lichtstrahl, der neue Wege zur Betreuung und zum humanen Umgang mit ihnen wies. Er hat praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell geschaffen, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Bruder sein kann. Diese prophetische Hospitalität hat wie ein Sauerteig im Gesundheitsdienst und in der Kirche gewirkt. Das Modell des heiligen Johannes von Gott hat auch als kritisches Gewissen gewirkt und neue Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen gewiesen.“ (Charta der Hospitalität)

Johannes-von-Gott-Familie

Zwischen dem kirchenrechtlichen Orden und seinen Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern hat sich im Laufe der Zeit eine enge Verbindung entwickelt. Die verschiedenen Personen und -gruppen, die sich den Idealen des heiligen Johannes von Gott verpflichtet fühlen, bezeichnet man als Johannes von Gott Familie.

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Johannes von Gott

Der heilige Johannes von Gott (1495-1550) gilt als Pionier der Krankenpflege, da er nach seinem Berufungserlebnis in Granada (Spanien) begann, sich mit innovativen Methoden um kranke und arme Menschen zu kümmern. Seine Gefährten bildeten den Grundstock zum heutigen Hospitalorden. 

Mehr zu seiner Person unter Heiliger Johannes von Gott

Johannes-von-Gott-Familie

Johannes-von-Gott-Familie

Zwischen dem kirchenrechtlichen Orden und seinen Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern hat sich im Laufe der Zeit eine enge Verbindung entwickelt. Die verschiedenen Personen und -gruppen, die sich den Idealen des heiligen Johannes von Gott verpflichtet fühlen, bezeichnet man als Johannes von Gott Familie.

K

Kapitel

Familiengespräch, Konvent-, Provinz- und Generalkapitel

Ursprünglich stand das Wort „Kapitel“ für einen Abschnitt aus der Ordensregel. Später bezeichnete dieses Wort die Versammlung von Ordensleuten im Sinne eines Leitungsorgans. In den Klöstern monastischer Orden gibt es einen eigenen Kapitelsaal für diese Zusammenkünfte. Die Durchführung von Kapiteln ist im allgemeinen Ordensrecht der katholischen Kirche geregelt, lässt aber den einzelnen Orden die Möglichkeit, in ihrem Eigenrecht (Konstitu-tionen und Generalstatuten) spezifische Richtlinien festzulegen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich bei den Barmherzigen Brüdern ein struktureller Wandel vollzogen, der die leitenden Mitarbeiter stärker in die Entscheidungsprozesse der wirtschaftlichen Leitung der Einrichtungen einbindet. Hierzu wurden Direktorien installiert. Dies hatte Auswirkungen auf die Konventkapitel. Deshalb wurde neben dem Konventkapitel das Familiengespräch eingeführt. Im Konventkapitel werden die kirchenrechtlichen Dinge abgehandelt: Wahlen, Aufnahmen in den Orden, Abstimmung zur Ablegung der Profess. Themenbereiche des alltäglichen Gemeinschaftslebens werden im monatlichen Familiengespräch behandelt.

Die Konstitutionen der Barmherzigen Brüder formulieren zu den Konventkapi-teln/Familiengesprächen:

  • Bereitschaft zum Dialog und zur Mitverantwortung eines jeden Bruders für das Gelingen des Gemeinschaftslebens;
  • Überdenken und Beraten aller Themenbereiche des Gemeinschaftslebens;
  • Beratungen zur wirtschaftlichen Situation des Konventes.

Zu den Provinzkapiteln:

  • Überprüfung aller Gesichtspunkte zum Stand des religiösen Lebens der Provinz;
  • Behandlung der Richtlinien und Beschlüsse des Generalkapitels, ferner Überlegungen, wie diese vor Ort umgesetzt werden können;
  • Wahl des Provinzials, der Provinzräte (Definitorium), der Provinzdelegaten, der Hausoberen, der Magister der PostulantenNovizen und Scholastiker.


Zu den Generalkapiteln:

  • Überprüfung des Standes des religiösen Lebens im Orden nach der Lehre der Kirche;
  • Förderung von und Suche nach glaubwürdigen Zeugnissen, das Charisma der Hospitalität zu leben;
  • Interpretation von Fragen, die die Konstitutionen und Generalstatuten betreffen;
  • Wahl des Generals und der Generalräte;
  • Erlass von Dekreten, die für das Wohl des Ordens nützlich sind.


Bei den Barmherzigen Brüdern findet das Generalkapitel alle sechs Jahre, die Provinzkapitel finden alle vier Jahre statt. Das Konventkapitel bzw. Familiengespräch kann bei Bedarf vom Prior einberufen werden. In der Regel soll monatlich ein Familiengespräch stattfinden. Wegen des Umfangs der zu behandelnden Themen bei General- und Provinzkapiteln gibt es eigene Vorbereitungskommissionen, die Tischvorlagen erarbeiten, gegebenenfalls zu einzelnen Sachthemen Fachleute einladen sowie die Tagesordnung und den Ablauf strukturieren.

Klausur

Klausur

Kloster und Ordensleben sind im allgemeinen Sprachgebrauch wohl untrennbare Begriffe und werden oft auch synonym verwendet. In der Regel sind sie mit Adjektiven belegt wie abgeschlossen, nicht zugänglich, von Mauern umgeben, idyllisch, Bier brauend.

Diese Attribute passen nicht ganz zur Geschichte der Barmherzigen Brüder und ihrem Selbstverständnis. Die Häuser, die der Orden errichtet hat, dienten nie nur den Ordensmitgliedern, sondern waren und sind für Menschen bestimmt, die der Hilfe bedürfen. Dieser Notwendigkeit wurde auch das bauliche Konzept unterworfen. Lediglich ein Teil des Hauses diente den Brüdern als Wohnraum und wurde als Konvent (die lateinische Wortwurzel bedeutet „zusammenkommen“) oder Klausur (die lateinische Wortwurzel bedeutet „eingeschlossen/abgeschlossen“) bezeichnet.

Beide Worte bringen die Bedürfnisse von Ordensleuten zum Ausdruck. Das gemeinsame Leben braucht Orte des Zusammenkommens und Orte der Ruhe, des Abgeschlossen-Seins für das geistliche Leben. In Gesprächen mit Patienten und Besuchern fällt immer wieder auf, dass sie sehr überrascht sind, dass die Barmherzigen Brüder in ihren Krankenhäusern und Heimen wohnen und nicht in einem eigenen Kloster – mit Kirche und Mauer. Ordensleute ohne „Kloster“, geht das? Ja, wenn die vorhandenen Räumlichkeiten den Bedürfnissen des geistlichen Lebens angepasst sind. Die Sprachverwirrung wird für den Laien perfekt, weil das Wort Konvent nicht nur für die Räume von Ordensleuten benutzt wird, sondern auch für die Gemeinschaft selber.

Für das Amt, die Aufgabe des Leiters eines Konventes gibt es bei den Männerorden verschiedene Bezeichnungen: Prior, Guardian, Rektor und Superior. Im Orden der Barmherzigen Brüder wird dieser Leiter Prior genannt. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet das lateinische Wort prior: der Erste, der Vordere, der dem Rang nach Höherstehende. In seiner Bedeutung für eine Ordensgemeinschaft bedeutet es: der dem Kloster vorsteht, der das Kloster leitet. Bei den Barmherzigen Brüdern werden die Prioren mit „Pater Prior“ angesprochen, obwohl diese in der Regel keine Priester sind. Diese Anrede ist ein Zeichen der Achtung vor der Verantwortung, die der Leiter einer Gemeinschaft hat. Sie verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes pater : „Vater“. Der Prior soll in väterlicher Sorge für die Gemeinschaft da sein.

Konstitutionen

Die Konstitutionen sind das fundamentale Gesetzbuch des Eigenrechts des Ordens. Sie bestimmen, orientieren und bedingen Struktur und Organisation des Eigenrechts. Die Konstitutionen sind der fundamentale und spezifische Kodex jeder Ordensgemeinschaft oder Gemeinschaft apostolischen Lebens. Sie müssen in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Recht: a) vom Gründer/von der Gründerin und/oder von den entsprechenden Generalkapiteln verfasst sein; b) die konstitutiven und konstitutionellen Gesetze der Gemeinschaft enthalten; c) umfassend, organisch und dauerhaft sein; d) vom zuständigen Diözesanbischof und/oder vom Heiligen Stuhl genehmigt sein, denen auch Änderungen, die authentische Interpretation und Dispensen vorbehalten sind; e) aufgrund ihres verbindlichen Charakters von allen in Treue befolgt werden.

Kontemplative Orden

Die kontemplativen Orden sehen in der Betrachtung einen wesentlichen Bestandteil des geistlichen Lebens. Im Gegensatz zum aktiven Orden gestalten sie alle Vollzüge des Stundengebetes (Matutin in der Nacht, Laudes am Morgen, Terz, Sext und Non zu den jeweiligen Tageszeiten, Vesper am Abend, Komplet zum Tagesschluss) und der eucharistischen Liturgie mit besonderer Feierlichkeit. Dazu kommt, dass die beschaulichen Orden am Tag der eucharistischen Anbetung meist längere Zeit dem ausgesetzten Allerheiligsten und der Betrachtung widmen. Die Tätigkeit der Ordensleute in kontemplativen Klöstern ist meist nach innen gerichtet. So befassen sich Mönche und Schwestern beispielsweise mit dem Schreiben von Büchern oder dem Studium der Literatur, mit künstlerischen und kunsthandwerklichen Arbeiten, mit hauswirtschaftlichen Verrichtungen im Kloster und im Garten und mit der Pflege der spirituellen Kultur der jeweiligen

Konvent

Konvent (Klausur)

Kloster und Ordensleben sind im allgemeinen Sprachgebrauch wohl untrennbare Begriffe und werden oft auch synonym verwendet. In der Regel sind sie mit Adjektiven belegt wie abgeschlossen, nicht zugänglich, von Mauern umgeben, idyllisch, Bier brauend.

Diese Attribute passen nicht ganz zur Geschichte der Barmherzigen Brüder und ihrem Selbstverständnis. Die Häuser, die der Orden errichtet hat, dienten nie nur den Ordensmitgliedern, sondern waren und sind für Menschen bestimmt, die der Hilfe bedürfen. Dieser Notwendigkeit wurde auch das bauliche Konzept unterworfen. Lediglich ein Teil des Hauses diente den Brüdern als Wohnraum und wurde als Konvent (die lateinische Wortwurzel bedeutet „zusammenkommen“) oder Klausur (die lateinische Wortwurzel bedeutet „eingeschlossen/abgeschlossen“) bezeichnet.

Beide Worte bringen die Bedürfnisse von Ordensleuten zum Ausdruck. Das gemeinsame Leben braucht Orte des Zusammenkommens und Orte der Ruhe, des Abgeschlossen-Seins für das geistliche Leben. In Gesprächen mit Patienten und Besuchern fällt immer wieder auf, dass sie sehr überrascht sind, dass die Barmherzigen Brüder in ihren Krankenhäusern und Heimen wohnen und nicht in einem eigenen Kloster – mit Kirche und Mauer. Ordensleute ohne „Kloster“, geht das? Ja, wenn die vorhandenen Räumlichkeiten den Bedürfnissen des geistlichen Lebens angepasst sind. Die Sprachverwirrung wird für den Laien perfekt, weil das Wort Konvent nicht nur für die Räume von Ordensleuten benutzt wird, sondern auch für die Gemeinschaft selber.

Für das Amt, die Aufgabe des Leiters eines Konventes gibt es bei den Männerorden verschiedene Bezeichnungen: Prior, Guardian, Rektor und Superior. Im Orden der Barmherzigen Brüder wird dieser Leiter Prior genannt. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet das lateinische Wort prior: der Erste, der Vordere, der dem Rang nach Höherstehende. In seiner Bedeutung für eine Ordensgemeinschaft bedeutet es: der dem Kloster vorsteht, der das Kloster leitet. Bei den Barmherzigen Brüdern werden die Prioren mit „Pater Prior“ angesprochen, obwohl diese in der Regel keine Priester sind. Diese Anrede ist ein Zeichen der Achtung vor der Verantwortung, die der Leiter einer Gemeinschaft hat. Sie verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes pater : „Vater“. Der Prior soll in väterlicher Sorge für die Gemeinschaft da sein.

M

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der Begriff Mitarbeiter steht im ordensinternen Gebrauch für die Grundhaltung, dass mitarbeitende Personen nicht nur Angestellte sind, sondern auch eine Mitverantwortung für die Erfüllung des Sendungsauftrages haben entsprechend ihrer Aufgabenstellung in der Einrichtung.

Des Weiteren wird der Begriff sehr umfassend gebraucht. Man versteht darunter nicht nur angestellte Personen, sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiter und Förderer.

N

Niederlassungen

Der Orden gliedert sich in: Provinzen, Vizeprovinzen, Generaldelegaturen, Provinzdelegaturen und Niederlassungen.

Wenn von einer Niederlassung die Rede ist, sind Konvent wie apostolisches Werk (Sozialwerk) gemeint. Es wird nicht spezifiziert, ob damit ein Sozialwerk mit oder ohne Konvent gemeint ist, bzw. Konvent mit oder ohne Sozialwerk. Wenn nur Konvent oder nur Sozialeinrichtung gemeint ist, dann ist das explizit angegeben.

Noviziat

Das Noviziat ist die Probe- und Einführungszeit zu Beginn des Ordenslebens, die dem Novizen eine tiefe Erfahrung der persönlichen Begegnung mit Gott, mit der Gemeinschaft und dem leidenden und hilfsbedürftigen Menschen vermitteln soll. Diese „Lehrzeit des Ordensmannes“ setzt eine Atmosphäre der Stille und des Gebetes, des Ernstes und der Ordnung, der Freude und der Brüderlichkeit voraus. Die Novizen sollen während ihres - bei den Barmherzigen Brüdern zweijährigen – Noviziates in ihrer Selbsterkenntnis wachsen, ihre Identifikation mit dem Orden verinnerlichen und somit die eigene Berufsfindung festigen, um nach Abschluss des Noviziates in der zeitlichen Profess eine freie und verantwortungsbewusste Antwort auf den Anruf Christi geben zu können. Die Barmherzigen Brüder haben ein gemeinsames europäisches Noviziat in Brescia (Italien).

O

Oblaten

Im Orden beziehen wir uns damit auf Personen, die mit den Brüdern in Gemeinschaft leben und ihr Leben den Kranken und der Hilfe Bedürftigen widmen wollen. Ihre Zulassung ist von Bestimmungen geregelt, welche der Provinzial mit der Zustimmung seines Rates festlegt.

Oblaten hat es traditionell im Orden gegeben. Auch heute gibt es noch einige. Sie teilen zwar das Leben mit den Brüdern, sind aber nicht geweihte Personen, weil sie nicht die Profess ablegen.

Ordensauftrag

Ordensauftrag

Bei den Ordensgemeinschaften wird in der Regel zwischen Ordensleben und Ordensauftrag unterschieden. Während das Ordensleben das spirituelle Leben und das Gemeinschaftsleben umfasst, bezeichnet der Ordensauftrag den konkreten Dienst, wie er von der Christusnachfolge und den prägenden Elementen des Ordensgründers oder der Ordensgründerin aufgezeigt ist. Hier lässt sich der kontemplative Auftrag, der Verkündigungsauftrag und der Heilungsauftrag im Sinne der Caritas unterscheiden.

Unser apostolischer Auftrag als Barmherzige Brüder verlangt, dass wir den Orden heute in einer neuen Optik sehen. Es stimmt zwar, dass unter kanonischem Gesichtspunkt zum Orden nur die Brüder mit Profess gehören, aber heute ist eine breitere Sichtweise notwendig. Den Orden bilden wir alle. Brüder, Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, Wohltäter, Freunde und Betreute. Wir alle sind der Orden. Wir alle sind Mitglieder der Hospitalitätsfamilie. Wir alle sind gefordert, den Ordensauftrag an den Zeichen der Zeit zu orientieren und die Armen, Kranken, Alten und behinderten Menschen in die Mitte unseres Dienstes zu stellen. Der Keim unserer Berufung als Barmherzige Brüder besteht darin, wie unser heiliger Ordensvater, Johannes von Gott, ein alternatives Betreuungsmodell anzubieten. Der Schwerpunkt liegt hier in der Aufgabe, eine fachlich qualifizierte, zugleich aber humane Betreuung anzubieten und dabei, soweit möglich, den Menschen zu Gott zu führen.

Ordensgemeinschaften

Ordensgemeinschaften

Die Orden der Kirche verstehen sich als Gemeinschaften, die sich am Beispiel der Jünger Jesu ausrichten. Diese Menschen hatten alles verlassen, ihren Beruf, ihr Geschäft, den ganzen bisherigen Alltag mit seinen menschlichen Bindungen. Sie waren bereit, hinter Jesus herzugehen, ihm nachzufolgen. Sie lebten in engerer Gefolgschaft Jesu, in einer Gruppe Gleichberufener, ohne Bindung an einen Ehepartner, in materieller Ungesichertheit und im Gehorsam gegenüber ihrem Herrn. Ordensleute versuchen durch ihr Leben nach den „Evangelischen Räten“ das Eigentliche der Nachfolge Jesu in die jeweilige Zeit zu übersetzen.

Haben die Orden im Laufe der Kirchengeschichte auch die verschiedensten Entwicklungen und Ausprägungen genommen, allen ist das Gebetsleben gemeinsam, aus dem sie Kraft für ihren Dienst und ihr Apostolat schöpfen.

Folgende Formen des Gemeinschaftslebens lassen sich unterscheiden: 

Orden

Unser Orden ist ein Brüderorden, d.h. mit männlichen Angehörigen, laikalen Charakters (vgl. Can. 588 § 3) mit dem Schwerpunkt der Hospitalität. Die Barmherzigen Brüder sind demnach Ordenschristen, welche die drei klassischen Gelübde der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams zusätzlich dem besonderen Gelübde der Hospitalität in öffentlicher und feierlicher Form ablegen und dementsprechend in ständiger Weise in Gemeinschaft miteinander leben. Ihr Leben ist dabei auf die Erfüllung der heilbringenden Sendung der Hospitalität hingeordnet, welche sie zum Wohl der Menschheit gemäß dem Mandat und dem Auftrag verwirklichen, den der Orden durch die Anerkennung vonseiten der höchsten Autorität der Kirche erhalten hat.

Kongregation

Unter dieser Bezeichnung sind im 19. und 20. Jahrhundert die meisten Ordensgemeinschaften entstanden. Sie können sich auch heute noch so nennen bzw. es können neue mit dieser Bezeichnung entstehen, obwohl der Kodex des Kanonischen Rechts der Bezeichnung „Institut“ den Vorzug gegeben hat.

Semantisch bringt die Bezeichnung „Kongregation (lat., con = zusammen, grex = Herde, Schar) den Charakter von Ordensgemeinschaften am besten zum Ausdruck, weil ihr Kern eine allumfassende Lebensgemeinschaft, also das Miteinanderleben und Miteinanderteilen aller Lebensumstände ist, und sie als Zusammenschlüsse bzw. Vereinigungen von der Kirche approbiert sind.

Institut

Diese Bezeichnung wurde vom Kodex des Kanonischen Rechts geprägt und eingeführt. Man bezieht sich damit auf jedwede Gemeinschaft, deren Mitglieder durch Gelübde ein Leben nach den drei evangelischen Räten versprechen, in Gemeinschaft oder in der Welt leben und in ihrem Eigenrecht eine gewisse Trennung von der Welt bzw. einen gewissen Umgang mit der Welt festlegen, wobei alle diese Bestimmungen und Regeln in Übereinstimmung mit dem Erbe und der charismatischen Sendung stehen müssen, für die sie approbiert wurden. Institut ist gleichbedeutend mit Orden, Kongregation, Ordensfamilie und vielen anderen Bezeichnungen.

Ordensleben

Ordensleben

Bei den Ordensgemeinschaften wird in der Regel zwischen Ordensleben und Ordensauftrag unterschieden. Während das Ordensleben das spirituelle Leben und das Gemeinschaftsleben umfasst, bezeichnet der Ordensauftrag den konkreten Dienst, wie er von der Christusnachfolge und den prägenden Elementen des Ordensgründers oder der Ordensgründerin aufgezeigt ist. Hier lässt sich der kontemplative Auftrag, der Verkündigungsauftrag und der Heilungsauftrag im Sinne der Caritas unterscheiden.

Unser apostolischer Auftrag als Barmherzige Brüder verlangt, dass wir den Orden heute in einer neuen Optik sehen. Es stimmt zwar, dass unter kanonischem Gesichtspunkt zum Orden nur die Brüder mit Profess gehören, aber heute ist eine breitere Sichtweise notwendig. Den Orden bilden wir alle. Brüder, Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, Wohltäter, Freunde und Betreute. Wir alle sind der Orden. Wir alle sind Mitglieder der Hospitalitätsfamilie. Wir alle sind gefordert, den Ordensauftrag an den Zeichen der Zeit zu orientieren und die Armen, Kranken, Alten und behinderten Menschen in die Mitte unseres Dienstes zu stellen. Der Keim unserer Berufung als Barmherzige Brüder besteht darin, wie unser heiliger Ordensvater, Johannes von Gott, ein alternatives Betreuungsmodell anzubieten. Der Schwerpunkt liegt hier in der Aufgabe, eine fachlich qualifizierte, zugleich aber humane Betreuung anzubieten und dabei, soweit möglich, den Menschen zu Gott zu führen.

Ordensritual

Ordensritual

Damit bezieht sich die Ordenssprache auf das oder auf die Bücher, welche, nach entsprechender Genehmigung durch die zuständigen Oberen, die Feier bestimmter wichtiger, liturgischer oder anderer Momente bzw. Ereignisse im Orden regeln.

Im Orden haben wir ein Ritual für die Professablegung und die Erneuerung der Gelübde; ein Ritual für die Feier der General- und Provinzkapitel und ein Ritual für die Durchführung der kanonischen Generalvisitation. Man benutzt dafür auch die Bezeichnung Zeremoniale oder ähnliche Namen.

Ordenstracht

Siehe Habit

Ordensstruktur

Ordensstruktur

Die Barmherzigen Brüder sind in über 50 Ländern auf allen Erdteilen tätig. Der Orden gliedert sich in mehr als 20 Provinzen, die jeweils von einem Provinzial geleitet werden. Die weltweite Leitung des Ordens liegt in den Händen der Generalkurie in Rom, an deren Spitze der Generalprior steht. Er wird alle sechs Jahre beim Generalkapitel neu gewählt, bei dem Vertreter aller Provinzen zusammenkommen, die Arbeit der vergangenen Jahre vorstellen und sich neue Ziele setzen.

Auf Provinzebene findet mit der entsprechenden regionalen Ausrichtung alle vier Jahre ein Provinzkapitel statt, bei dem unter anderem der Provinzial und die Provinzräte gewählt werden. Vor Ort gibt es schließlich die Konvente, also die Lebensgemeinschaften der Brüder bei den einzelnen Einrichtungen. Sie werden von einem Prior als „Vater“ der Gemeinschaft geleitet.

 

Ordensweihe

Die Ordensweihe ist ein grundlegender Akt, durch den sich ein Gläubiger auf subjektiv/innerer und öffentlich/offizieller Ebene für das ganze Leben Gott weiht und durch den zugleich die Kirche, vertreten durch entsprechende Autoritäten oder Amtsträger, den Betreffenden, nach Feststellung seines freien Willens, auf Gott hin weiht in Übereinstimmung mit den Modalitäten und Forderungen, welche im Eigenrecht des jeweiligen Ordensinstituts festgelegt sind.

Zu diesen Forderungen gehören in unserem Orden ein Leben nach den evangelischen Räten, die Ablegung der feierlichen Profess, das Leben in Gemeinschaft und die Ausübung der Hospitalität.

Ordenswerte

Hospitalität ist unser Zentralwert. Die vier Orientierungswerte – Qualität, Respekt, Verantwortung, Spiritualität – verdeutlichen seine inhaltliche Bedeutung.

Qualität steht für:

Exzellenz, Fachkompetenz, Ganzheitlichkeit unserer Dienstleistung, Sensibilität für neue Bedürfnisse, Modell der Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern, Modell der Betreuung des Johannes von Gott, Architektur und Ausstattung, die Geborgenheit gibt, Zusammenarbeit mit Dritten.

Respekt steht für:

Respekt vor dem Anderen, Humanisierung, Sozialkompetenz, Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, Verständnis, Ganzheitlichkeit, soziale Dienstleistungen, Angehörige einbeziehen.

Verantwortung steht für:

Treue zu den Idealen des heiligen Johannes von Gott und des Ordens, Ethik (Bioethik, Sozialethik, Wirtschaftsethik), Umweltschutz, Sozialverantwortung, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit unserer Dienstleitungen.

Spiritualität steht für:

Pastoral, Evangelisierung, spirituelle Angebote für Andersgläubige, Ökumene, Zusammenarbeit mit Pfarreien und Religionsgemeinschaften.

P

Postulantat

Postulantat

Mit dem Begriff Postulantat (Postulat) wird die dem Noviziat vorausgehende Probezeit bezeichnet, die dem Ordenskandidaten (= Postulanten) helfen soll, ein notwendiges Maß an menschlicher und religiöser Reife zu erlangen, um die Zeit des Noviziates mit Gewinn zu erleben. Diese Ausbildungsetappe dauert mindestens sechs Monate und kann sich bis zu zwei Jahren erstrecken. In Gebet und Betrachtung, im Studium der im Ausbildungsprogramm des Ordens vorgesehenen Regelwerke und Dokumente, in offenen Gesprächen mit den Ausbildern und einer angemessenen Teilnahme am Gemeinschaftsleben soll der Kandidat in seiner Berufsfindung unterstützt und gefördert werden. Der Postulant soll in dieser Zeit den Orden, der Orden den Postulanten kennen lernen.

Postulator

Der Postulator, der Priester sein muss, vertritt den Prozess der Selig- bzw. Heiligsprechung bei den kirchlichen Amtsstellen. Diese Kurzdefinition bedarf zum besseren Verständnis einiger Erläuterungen.

Die Heilig- bzw. Seligsprechung bedeutet das feierliche Urteil des Papstes über das geglückte Leben von Dienerinnen und Dienern Gottes, die dem Vorbild Jesu Christi besonders gefolgt sind und durch selbstloses Leben ein hervorragendes Zeugnis für das Himmelreich abgelegt haben. Die erste Heiligsprechung durch einen Papst im heutigen Sinn war am 11. Juni 993 durch Papst Johannes XV., damals wurde Bischof Ulrich von Augsburg heilig gesprochen. Papst Johannes Paul II. hat 1983 neue Richtlinien für das Selig- und Heiligsprechungsverfahren erlassen.

Vereinfacht kann man sagen, dass die erste Phase eines Seligsprechungsverfahrens der Informationsprozess auf Diözesanebene ist. Hierbei vertritt der Vizepostulator umfänglich die Person, die selig bzw. heilig gesprochen werden soll. Das heißt: er muss mittels Zeugenaussagen und Dokumenten belegen, dass diese Person in hervorragender und selbstloser Weise sein Leben in die Nachfolge Jesu Christi gestellt hat. Bei unserem Diener Gottes, Frater Eustachius Kugler, war Pater Kasimir Metzger der Vizepostulator beim Informationsprozess in der Diözese Regensburg. Der zweite Schritt im Selig- bzw. Heiligsprechungsverfahren findet im Vatikan statt. Bei dem Verfahren in Rom wird das Anliegen der Heilig- bzw. Seligsprechung durch den Generalpostulator vertreten.

Prior

Prior

Kloster und Ordensleben sind im allgemeinen Sprachgebrauch wohl untrennbare Begriffe und werden oft auch synonym verwendet. In der Regel sind sie mit Adjektiven belegt wie abgeschlossen, nicht zugänglich, von Mauern umgeben, idyllisch, Bier brauend.

Diese Attribute passen nicht ganz zur Geschichte der Barmherzigen Brüder und ihrem Selbstverständnis. Die Häuser, die der Orden errichtet hat, dienten nie nur den Ordensmitgliedern, sondern waren und sind für Menschen bestimmt, die der Hilfe bedürfen. Dieser Notwendigkeit wurde auch das bauliche Konzept unterworfen. Lediglich ein Teil des Hauses diente den Brüdern als Wohnraum und wurde als Konvent (die lateinische Wortwurzel bedeutet „zusammenkommen“) oder Klausur (die lateinische Wortwurzel bedeutet „eingeschlossen/abgeschlossen“) bezeichnet.

Beide Worte bringen die Bedürfnisse von Ordensleuten zum Ausdruck. Das gemeinsame Leben braucht Orte des Zusammenkommens und Orte der Ruhe, des Abgeschlossen-Seins für das geistliche Leben. In Gesprächen mit Patienten und Besuchern fällt immer wieder auf, dass sie sehr überrascht sind, dass die Barmherzigen Brüder in ihren Krankenhäusern und Heimen wohnen und nicht in einem eigenen Kloster – mit Kirche und Mauer. Ordensleute ohne „Kloster“, geht das? Ja, wenn die vorhandenen Räumlichkeiten den Bedürfnissen des geistlichen Lebens angepasst sind. Die Sprachverwirrung wird für den Laien perfekt, weil das Wort Konvent nicht nur für die Räume von Ordensleuten benutzt wird, sondern auch für die Gemeinschaft selber.

Für das Amt, die Aufgabe des Leiters eines Konventes gibt es bei den Männerorden verschiedene Bezeichnungen: Prior, Guardian, Rektor und Superior. Im Orden der Barmherzigen Brüder wird dieser Leiter Prior genannt. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet das lateinische Wort prior: der Erste, der Vordere, der dem Rang nach Höherstehende. In seiner Bedeutung für eine Ordensgemeinschaft bedeutet es: der dem Kloster vorsteht, der das Kloster leitet. Bei den Barmherzigen Brüdern werden die Prioren mit „Pater Prior“ angesprochen, obwohl diese in der Regel keine Priester sind. Diese Anrede ist ein Zeichen der Achtung vor der Verantwortung, die der Leiter einer Gemeinschaft hat. Sie verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des lateinischen Wortes pater : „Vater“. Der Prior soll in väterlicher Sorge für die Gemeinschaft da sein.

Profess

Profess

Im katholischen Ordensrecht ist die Profess das feierliche Versprechen, in einem Orden die evangelischen Räte zu befolgen. Der Professe weiht sein ganzes Leben dem Dienst an Gott und dem Dienst an den Menschen und wird damit in die jeweils konkrete Gemeinschaft eingegliedert. Grundsätzlich unterscheidet man die Einfache und die Feierliche Profess. Die Einfache Profess wird bei den Barmherzigen Brüdern für ein Jahr abgelegt und immer wieder erneuert, bis die Ablegung der feierlichen Profess für das ganze Leben erfolgt.

Der Einfachen Profess geht die Zeit der Erprobung im Postulantat und Noviziat voraus, der feierlichen Profess die des Scholastikates. Die Ablegung der Profess wird durch die Professurkunde dokumentiert.

Die Barmherzigen Brüder legen nicht nur die drei klassischen Ordensgelübde ArmutEhelosigkeit und Gehorsam ab, sondern auch ein viertes, das der Hospitalität, mit dem sie sich in die besondere Nachfolge ihres Gründers, des heiligen Johannes von Gott, stellen.

Die Konstitutionen der Barmherzigen Brüder umschreiben den Inhalt und die Aussagekraft der Profess mit folgenden Worten: „Mit unserer freien Ganzhingabe an Gott bejahen wir als Gesandte in der Welt, Zeichen seiner barmherzigen Liebe zu sein. Die Schlichtheit unseres Lebens macht kund, dass die Verwandlung der menschlichen Wirklichkeit nur aus dem Geist der Bergpredigt möglich ist. Wir sind Zeugen, dass Christus der Herr der Geschichte ist. Wir verkünden die Größe der Liebe Gottes und zeigen den Menschen, dass er weiterhin an ihrem Leben interessiert ist und an ihren Nöten nicht vorbeigeht.“

Provinz

Provinz

Die Bezeichnung Provinz umschreibt eine Organisationseinheit innerhalb eines Gesamtordens. Das Wort Provinz ist dem römischen Recht entliehen und war die Bezeichnung für ein Verwaltungsgebiet außerhalb Italiens.

Eine Ordensprovinz besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Provinzial und seinem Rat geleitet. Wenn es notwendig ist, kann ein Provinzkapitel beschließen, dass einzelne Häuser der Provinz zu einer Provinzdelegatur zusammengeschlossen werden. Diese wird von einem Provinzdelegaten und seinem Rat geleitet, die vom Provinzial ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit vom zuständigen Provinzial treffen. Wenn sich eine Provinzdelegatur oder eine Gründung so gut entwickelt, dass sie in absehbarer Zeit zu einer selbstständigen Provinz erhoben werden kann, gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Schritt vorzubereiten: Die entsprechenden Einrichtungen werden zur Generaldelegatur erhoben. Diese wird von einem Generaldelegaten und seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit von der Generalkurie treffen. Der andere Weg: Die betreffenden Häuser werden zu einer Vizeprovinz erhoben, sie besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Vizeprovinzial mit seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden.

Provinzdefinitorium

 

Das Wort Definitorium leitet sich von dem lateinischen Wort „definire“ ab: abgrenzen, begrenzen, genau bestimmen. Wie in vielen anderen Ordensgemeinschaften bilden bei den Barmherzigen Brüdern der Provinzial und die Provinzräte das Provinz-Definitorium: die Provinzräte werden deswegen auch Definitoren genannt. Wie der Provinzial werden sie vom Provinzkapitel gewählt. Während der Provinzial mindesten sechs Jahre Feierliche Profess haben muss, genügen bei den Provinzräten drei Jahre.

Der Provinzial trägt die „Hauptverantwortung für das Wachstum des Ordenslebens und für alle Maßnahmen der Bildung und des Apostolates in der Provinz“, heißt es in den Konstitutionen. Mit Zustimmung des Definitoriums ernennt der Provinzial den Provinzsekretär und den Provinzökonomen, die nicht Provinzräte sein müssen. Ebenfalls im Einvernehmen mit seinen Räten entscheidet er über die Zulassung zum Noviziat, zur einfachen und zur feierlichen Profess. Er hat auch das Recht, Mitbrüder von einer Kommunität in eine andere zu versetzen.

Die Generalstatuten der Barmherzigen Brüder fordern den Provinzial auf, er solle häufig die Kommunitäten und die Bildungszentren der Provinz besuchen. Während seiner vierjährigen Amtszeit soll der Provinzial wenigsten einmal in allen Einrichtungen der Provinz die kanonische Visitation vornehmen.

Die Provinzräte arbeiten „in brüderlicher Weise“ mit dem Provinzial in der Leitung der Provinz zusammen, heißt es in den Konstitutionen. Sie unterbreiten dem Provinzial ihre „Ratschläge und Meinungen, ... wenn sie danach gefragt werden und wenn sie dies im Interesse des Gemeinwohls für richtig halten.“. In Abwesenheit oder bei Verhinderung des Provinzials vertritt der erste Provinzrat (Definitor) seine Stelle. Für die Gültigkeit von Beschlüssen des Provinzdefinitoriums ist die Anwesenheit von mindestens drei Mitgliedern erforderlich.

Provinzdelegatur

Provinzdelegatur

Die Bezeichnung Provinz umschreibt eine Organisationseinheit innerhalb eines Gesamtordens. Das Wort Provinz ist dem römischen Recht entliehen und war die Bezeichnung für ein Verwaltungsgebiet außerhalb Italiens.

Eine Ordensprovinz besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Provinzial und seinem Rat geleitet. Wenn es notwendig ist, kann ein Provinzkapitel beschließen, dass einzelne Häuser der Provinz zu einer Provinzdelegatur zusammengeschlossen werden. Diese wird von einem Provinzdelegaten und seinem Rat geleitet, die vom Provinzial ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit vom zuständigen Provinzial treffen. Wenn sich eine Provinzdelegatur oder eine Gründung so gut entwickelt, dass sie in absehbarer Zeit zu einer selbstständigen Provinz erhoben werden kann, gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Schritt vorzubereiten: Die entsprechenden Einrichtungen werden zur Generaldelegatur erhoben. Diese wird von einem Generaldelegaten und seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit von der Generalkurie treffen. Der andere Weg: Die betreffenden Häuser werden zu einer Vizeprovinz erhoben, sie besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Vizeprovinzial mit seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden.

Provinzdirektorium

Beim Provinzdirektorium handelt es sich um das unmittelbare Regelwerk einer Provinz parallel zu den Generalstatuten, in dem die Eigenheiten, Traditionen und das besondere Selbstverständnis der Provinz entfaltet sind.

Es wird vom Provinzkapitel gemäß den Richtlinien des Generaldefinitoriums erstellt und gilt, bis ein darauffolgendes Provinzkapitel beschließt, es teilweise oder ganz zu ändern. Auch den Provinzen gleichgestellte Ordensteile müssen ein Direktorium haben.

Provinzial

Der Provinzial ist ein höherer Oberer, der eigene, ordentliche, ausführende und delegierende Gewalt im Zuständigkeitsbereich seines Amtes besitzt. Er ist direkt dem General untergeordnet und leitet eine Provinz bzw. einen Zusammenschluss von Niederlassungen, die untereinander unter verschiedenen Gesichtspunkten verbunden sind. Er handelt allein oder mit seinem Rat. Obwohl er ein höherer Oberer ist, ist er kein Ordinarius.

Ihm kommt die Hauptverantwortung zu, die Hospitalität, das Ordensleben und alle Bildungs- und apostolischen Aktivitäten einer Provinz zu fördern.

Provinzkapitel

Provinzkapitel

Familiengespräch, Konvent-, Provinz- und Generalkapitel

Ursprünglich stand das Wort „Kapitel“ für einen Abschnitt aus der Ordensregel. Später bezeichnete dieses Wort die Versammlung von Ordensleuten im Sinne eines Leitungsorgans. In den Klöstern monastischer Orden gibt es einen eigenen Kapitelsaal für diese Zusammenkünfte. Die Durchführung von Kapiteln ist im allgemeinen Ordensrecht der katholischen Kirche geregelt, lässt aber den einzelnen Orden die Möglichkeit, in ihrem Eigenrecht (Konstitu-tionen und Generalstatuten) spezifische Richtlinien festzulegen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich bei den Barmherzigen Brüdern ein struktureller Wandel vollzogen, der die leitenden Mitarbeiter stärker in die Entscheidungsprozesse der wirtschaftlichen Leitung der Einrichtungen einbindet. Hierzu wurden Direktorien installiert. Dies hatte Auswirkungen auf die Konventkapitel. Deshalb wurde neben dem Konventkapitel das Familiengespräch eingeführt. Im Konventkapitel werden die kirchenrechtlichen Dinge abgehandelt: Wahlen, Aufnahmen in den Orden, Abstimmung zur Ablegung der Profess. Themenbereiche des alltäglichen Gemeinschaftslebens werden im monatlichen Familiengespräch behandelt.

Die Konstitutionen der Barmherzigen Brüder formulieren zu den Konventkapi-teln/Familiengesprächen:

  • Bereitschaft zum Dialog und zur Mitverantwortung eines jeden Bruders für das Gelingen des Gemeinschaftslebens;
  • Überdenken und Beraten aller Themenbereiche des Gemeinschaftslebens;
  • Beratungen zur wirtschaftlichen Situation des Konventes.

Zu den Provinzkapiteln:

  • Überprüfung aller Gesichtspunkte zum Stand des religiösen Lebens der Provinz;
  • Behandlung der Richtlinien und Beschlüsse des Generalkapitels, ferner Überlegungen, wie diese vor Ort umgesetzt werden können;
  • Wahl des Provinzials, der Provinzräte (Definitorium), der Provinzdelegaten, der Hausoberen, der Magister der PostulantenNovizen und Scholastiker.


Zu den Generalkapiteln:

  • Überprüfung des Standes des religiösen Lebens im Orden nach der Lehre der Kirche;
  • Förderung von und Suche nach glaubwürdigen Zeugnissen, das Charisma der Hospitalität zu leben;
  • Interpretation von Fragen, die die Konstitutionen und Generalstatuten betreffen;
  • Wahl des Generals und der Generalräte;
  • Erlass von Dekreten, die für das Wohl des Ordens nützlich sind.


Bei den Barmherzigen Brüdern findet das Generalkapitel alle sechs Jahre, die Provinzkapitel finden alle vier Jahre statt. Das Konventkapitel bzw. Familiengespräch kann bei Bedarf vom Prior einberufen werden. In der Regel soll monatlich ein Familiengespräch stattfinden. Wegen des Umfangs der zu behandelnden Themen bei General- und Provinzkapiteln gibt es eigene Vorbereitungskommissionen, die Tischvorlagen erarbeiten, gegebenenfalls zu einzelnen Sachthemen Fachleute einladen sowie die Tagesordnung und den Ablauf strukturieren.

R

Regel des hl. Augustinus

Die Barmherzigen Brüder leben nach der Regel des heiligen Augustinus.

Eine glänzende Karriere führte den 354 geborenen jungen Mann aus einer Beamtenfamilie in der Provinz von Tagaste (Nordafrika) 370 zum Studium nach Karthago, Rom und Mailand. Augustinus besaß als Professor alles, was die Jugend in seinen Bann schlagen konnte: Bildung, Zauber des Wortes, Schärfe des Geistes. Doch sein Leben blieb unerfüllt und ruhelos, bis er 384 in Mailand unter dem Einfluss des heiligen Ambrosius zum Glauben fand und 388 eine Mönchsgemeinschaft gründete, in der er auch noch als Bischof lebte und für die er selbst eine Lebensregel verfasst hatte.

In seinen „Bekenntnissen“ schildert Augustinus (354 - 430) seinen Lebensweg, seine Irrwege, Umwege und Abwege, aber vor allem die Entdeckung Gottes, die ihn Ostern 387 zur Taufe und dann in Hippo 391 zum Priester- und 396 zum Bischofsamt führte.

In geraffter Form gibt die Regel des heiligen Augustinus ein Bild dessen, was er selbst in sei-nem klösterlichen Leben zu verwirklichen suchte. Gewissermaßen als Überschrift heißt es: „Vor allen Dingen, liebe Brüder, sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten; denn das sind die Hauptgebote, die uns gegeben sind.“ Und als „erstes Ziel“ des gemeinschaftlichen Lebens wird definiert: „... in Eintracht zusammenzuwohnen und ‚ein Herz und eine Seele‘ auf Gott hin zu sein.“ Augustinus appelliert an die Ordensleute, „den Kopf nicht hoch zu tragen“, denn der Stolz schade auch den guten Werken. Für das Beten gibt er ihnen auf, es solle auch „im Herz leben, was der Mund ausspricht“.

Es folgen weitere Hinweise für die Lebensführung im Kloster, zum Beispiel solle die Tischlesung „ohne Lärm und Streiten“ angehört werden, „denn nicht nur der Mund soll für euch Nahrung aufnehmen, sondern auch die Ohren sollen nach dem Worte Gottes hungern.“ Relativ viel Platz nimmt das Kapitel über die „Bewahrung der Keuschheit und brüderliche Zurechtweisung“ in Anspruch. Auch bei der Bekleidung mahnt Augustinus zur Bescheidenheit. „Streit solltet ihr eigentlich gar nicht haben“, schreibt Augustinus, auch wenn er weiß, dass es in der Realität immer wieder zu gegenseitigen Verletzungen kommt. Deshalb fordert er zur schnellen Wiedergutmachung auf, und auch der Beleidigte solle „ohne lange Verhandlungen“ verzeihen. Von den Ordensoberen verlangt Augustinus, sich nicht deshalb glücklich zu schätzen, weil sie anderen gebieten können, sondern weil sie „in Liebe dienen“ dürfen.

Nicht wie „Sklaven unter dem Gesetz“, sondern wie „Freie unter der Gnade“ sollen sich die Ordensleute der Regel fügen, verlangt Augustinus abschließend.

Da sich der heilige Johannes von Gott selbst nicht als Ordensgründer verstand und deshalb auch seinen Nachfolgern

S

Scholastikat

Scholastikat

Unter diesem Begriff verstehen die Barmherzigen Brüder jene Zeitspanne zwischen der Ersten/Einfachen und der Feierlichen Profess. In dieser Phase sollen die Scholastiker (Brüder mit zeitlichen Gelübden) die begonnene Ausbildung fortsetzen und vertiefen, sie machen ihre berufliche und pastorale Ausbildung, die ihnen den Weg für die Verwirklichung eines qualifizierten Dienstes am leidenden oder hilfsbedürftigen Menschen bereitet.

Aufgrund ihrer Fähigkeiten und Voraussetzungen und in enger Abstimmung mit den verantwortlichen Oberen planen die Neuprofessen ihren Ausbildungsweg im Orden. Bei solchen Entscheidungen spielen natürlich die besondere Sendung des Ordens oder die konkreten Notwendigkeiten der einzelnen Ordensprovinz eine wichtige Rolle. So erlernen zum Beispiel die einen den Beruf des Kranken- oder des Heilerziehungspflegers, andere lassen sich in einem therapeutischen Beruf ausbilden, wieder andere machen ein Studium im Bereich des Gesundheits- oder Sozialwesens (zum Beispiel Medizin, Pharmazie, Sozialpädagogik).

Für einige Brüder steht auch der Weg zum Theologiestudium und zum Priesterberuf offen. In der Ausbildungsphase des Scholastikates sollen bei den jungen Brüdern natürlich neben den beruflichen Grundlagen die Motivation und die Forderungen ihrer Weihe an Gott und der Sinn ihrer Zugehörigkeit zum Orden weiter vertieft werden. Das Scholastikat der oben genannten mitteleuropäischen Ordensteile (siehe Noviziat) hat seinen Sitz in Regensburg.

Schule der Hospitalität

Schule der Hospitalität/ Gelebte Gastfreundschaft

Die Wertevermittlung an die Mitglieder der Johannes-von-Gott-Familie ist eine der wichtigsten Aufgaben des Ordens heute. Die Zukunftsfähigkeit als Ordenseinrichtungen hängt wesentlich von der Identifikation der Mitarbeiter mit den Ordensidealen ab. Um dieses Anliegen zu fördern, wurden in den Provinzen spezielle Bildungsprogramme entwickelt, die meist den Namen „Schule der Hospitalität“ tragen”.

In der Bayerischen Ordensprovinz trägt das Bildungsprogramm die Bezeichnung "Gelebte Gastfreundschaft"

Stundengebet

Das Stundengebet umfasst Matutin (Lesehore), Laudes, Mittagshore, Vesper und Komplet. Das Stundengebet ist das ständige offizielle Gebet der Kirche, zu dem die Priester verpflichtet sind und das sich auch auf geweihte Personen und Mitglieder apostolischer Gemeinschaften, einschließlich der Laienchristen, erstreckt.

Der offizielle Charakter dieses kirchlichen Gebets und die Verpflichtung für Kleriker, es täglich zu verrichten, suggerieren, dafür als zutreffendere Bezeichnung „officium divinum“ (wörtl., Gottesdienst) zu verwenden.

In unserem Orden feiern die Kommunitäten jeden Tag gemeinsam die Liturgie der Laudes und der Vesper.

V

Visitation

Visitation

Das lateinische Wort „visitatio“ kann man mit „Besuch“ oder „nachschauen“ übersetzen. Im Bezug auf kirchliche Institutionen und Orden lässt sich der Begriff Visitation nicht einfach als Besuch deuten. Es geht hier um mehr. Der äußere Rahmen einer Visitation macht deutlich, dass es sich hier nicht um einen normalen Besuch des Provinzials oder des Generals handelt.

In den Generalstatuten der Barmherzigen Brüder finden wir unter den Stichwort Visitation die Aussage: „Bei der kanonischen Visitation empfängt der Provinzial alle Mitbrüder der Kommunität, spricht mit jedem in einem offenen Gedankenaustausch, erfragt ihre Meinungen über Angelegenheiten, die er für wichtig hält, und hört ihnen verständnisvoll zu. Er informiert sich außerdem, ob die Betreuung der Kranken und Hilfsbedürftigen in jeder Hinsicht mit gebührender Zuwendung geschieht und ob die Konstitutionen treu beobachtet werden. Nach der kanonischen Visitation soll er dem General einen genauen Bericht übersenden. Denjenigen, der eine Visitation durchführt, ob General, ein Delegat oder Provinzial, nennt man Visitator.“

Für viele könnte sich die Frage stellen, wozu eine Visitation heute noch notwendig ist, da der Provinzial häufig die Einrichtungen der Provinz besucht bzw. auch der General öfter zu Besuchen in der Provinz weilt. Das Anliegen einer Visitation ist nicht das punktuelle Wahrnehmen von Festen, Ereignissen, Besprechungen und Vorkommnissen, sondern die Gesamtschau des aktuellen Erscheinungsbildes des Konventes, der Einrichtung und sich abzeichnenden Zukunftsperspektiven.

Der Termin einer Visitation wird Wochen zuvor angekündigt, so dass alle Mitbrüder die Möglichkeit, ja die Pflicht haben, zum Zeitpunkt der Visitation anwesend zu sein. Die Visitation wird mit einem offiziellen Ritus eröffnet, der meist mit einer Gebetszeit (Laudes, Sext, Vesper) verbunden wird. Ebenso geschieht der Abschluss mit einem festgelegten Ritus, bei dem der Visitationsbericht verlesen wird. Dieser Bericht schildert die Eindrücke des Visitators zur augenblicklichen Situation des Konventes und der Einrichtung, zeigt mögliche Problemfelder auf und verweist auf notwendige Handlungsschwerpunkte. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass, wenn die Visitation beendet ist, die Sache nicht ad acta gelegt werden kann, sondern der Konvent und die Einrichtung durchaus Hausaufgaben zu erledigen haben.

Vizeprovinz

Vizeprovinz

Die Bezeichnung Provinz umschreibt eine Organisationseinheit innerhalb eines Gesamtordens. Das Wort Provinz ist dem römischen Recht entliehen und war die Bezeichnung für ein Verwaltungsgebiet außerhalb Italiens.

Eine Ordensprovinz besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Provinzial und seinem Rat geleitet. Wenn es notwendig ist, kann ein Provinzkapitel beschließen, dass einzelne Häuser der Provinz zu einer Provinzdelegatur zusammengeschlossen werden. Diese wird von einem Provinzdelegaten und seinem Rat geleitet, die vom Provinzial ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit vom zuständigen Provinzial treffen. Wenn sich eine Provinzdelegatur oder eine Gründung so gut entwickelt, dass sie in absehbarer Zeit zu einer selbstständigen Provinz erhoben werden kann, gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Schritt vorzubereiten: Die entsprechenden Einrichtungen werden zur Generaldelegatur erhoben. Diese wird von einem Generaldelegaten und seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden. Seine Entscheidungen kann der Delegat aber nur in Abhängigkeit von der Generalkurie treffen. Der andere Weg: Die betreffenden Häuser werden zu einer Vizeprovinz erhoben, sie besteht aus mindestens drei Kommunitäten. Sie wird von einem Vizeprovinzial mit seinem Rat geleitet, die vom General ernannt werden.