"Vater der Armen"
Ehrwürdiger Diener Gottes Fortunatus Thanhäuser (1918-2005)
Todestag: 21. November 

Hubertus Ludwig Adalbert Josef Bernhard Thanhäuserwurde am 27. Februar 1918 in Berlin Friedenau, der Heimat seiner Mutter, geboren, während sein Vater Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg war. Nach Kriegsende ließ sich die Familie in Volpersdorf/Schlesien im dortigen Försterhaus nieder. Der Vater war Förster am Ort. Nach Bernhard wurden der Familie noch zwei Söhne geboren.

Ordenseintritt

Im Alter von 17 Jahren trat Bernhard Thanhäuser in Breslau in den Orden der Barmherzigen Brüder ein. Der Orden führte dort ein großes allgemeines Krankenhaus. Dort befanden sich auch das Provinzialat und das Noviziat. Ins Noviziat wurde Bernhard Thanhäuser am 20. September 1935 aufgenommen, wobei er den Ordensnamen Frater Fortunatus erhielt. Gleichfalls in Breslau erfolgte seine Erste Profess am 21. November 1936 und die Feierliche Profess am 10. September 1946. Die Verlängerung des Noviziates und die zehnjährige Dauer der Einfachen Profess sind der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg zuzuschreiben. Wegen einer Bluterkrankung wurde Frater Fortunatus nicht zum Wehrdienst eingezogen.

Nach dem Noviziat besuchte Frater Fortunatus die Krankenpflegeschule des Ordens in Breslau und erhielt zusätzlich die Ausbildung als Medizinisch-Technischer-Assistent. Anschließend war er sowohl in der Krankenpflege als auch im Krankenhauslabor tätig. Nachdem Schlesien 1945 unter polnische Verwaltung kam, wurden auch die Einrichtungen des Ordens unter staatliche Verwaltung gestellt. Die noch dort lebenden Brüder durften weiter im Angestelltenverhältnis in den Einrichtungen tätig sein, so auch Frater Fortunatus. Mitbrüdern, die aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, wurde die Heimkehr nach Schlesien verwehrt, worauf diese dann zuerst in den Häusern der Bayerischen Provinz unterkamen und danach mit der Gründung eigener Einrichtungen in West-Deutschland begannen.

Ausweisung aus Schlesien

1950 wurde Frater Fortunatus mit den letzten noch in Schlesien lebenden deutschen Brüdern ausgewiesen. In Frankfurt am Main war er mit einem Mitbruder für den Bau des Brüderkrankenhauses am Unteren Atzemer verantwortlich, war aber auch in der Hauskrankenpflege tätig. Von 1953 bis 1969 war er Novizenmeister, wurde Generaldelegat von 1959 bis 1964 und war erster Vize-Provinzial von 1964 bis 1968 nach der Erhebung der Generaldelegatur zur Rheinischen Vize-Provinz. Während seiner Amtszeit als Vize-Provinzial wurde die Entscheidung getroffen, die Dienste der Hospitalität der Vize-Provinz in andere Länder auszudehnen, in denen diese besonders notwendig waren. Durch Kontakte mit dem damaligen Erzbischof von Changanacherry/Kerala-Indien, fiel die Entscheidung für eine Neugründung in Indien.

Neubeginn in Indien

Einige vom Erzbischof ausgewählte junge Inder kamen zur Ordens- und Berufsausbildung nach Frankfurt, um später mit deutschen Brüdern das neue Werk aufzubauen. In Kattappana, im Hochgebirge von Kerala, sollte ein Krankenhaus entstehen. Am 15. November 1969 verließ Frater Fortunatus zusammen mit Frater Prakash Madapally Frankfurt in Richtung Kattappana. Bei der Ankunft bestand bereits ein kleines, provisorisches Krankenhaus.

Das erste Gebäude des heutigen St. John’s Hospitals wurde im Februar 1971 eröffnet. Inzwischen hat sich diese Einrichtung zur größten und wichtigsten Krankenhauseinrichtung des Hochgebirges entwickelt, einem Gebiet mit etwa einer Million Einwohnern. Zur Einrichtung gehören heute auch eine Krankenpflegeschule sowie eine Fakultät für Krankenpflegewissenschaften. Für chronisch Kranke, alleinstehende alte und pflegebedürftige Männer und Frauen gründete Frater Fortunatus das „Pratheeksha Bhavan“, dem auch ein Kinderheim für sozial geschädigte Kinder und Waisen angeschlossen ist. Unzählig sind die karitativen Hilfsprojekte, die von Frater Fortunatus initiiert wurden, wie der Bau von mehr als 5000 Häusern für arme, kinderreiche Familien, Schulpatenschaften für arme Kinder, materielle und finanzielle Unterstützung für arme Menschen usw. Die Bevölkerung verehrt ihn deshalb als ‚Vater der Armen’.

Gründung der Schwesterngemeinschaft

Im Jahre 1977 gründete er mit einigen jungen Inderinnen die Ordensgemeinschaft der ‚Schwestern der Nächstenliebe vom heiligen Johannes von Gott’, die sich, wie die Brüder, dem Dienst an Armen, Kranken, Notleidenden, Alten und Ausgegrenzten im Geiste des heiligen Johannes von Gott weihen. Die Schwestern arbeiten heute mit den Brüdern zusammen in Einrichtungen der Brüder in Indien, Österreich, Deutschland, Spanien und Italien und sie führen in Indien eine Reihe von eigenen Einrichtungen.

Nach einer Zeit langer und schwerer Krankheit starb Frater Fortunatus am 21. November 2005. An den zweitägigen Begräbnisfeierlichkeiten erwiesen schätzungsweise 25.000 Menschen, nicht nur Christen, dem ‚Vater der Armen’ die letzte Ehre.