Über Gott sprechen
AGBO-Jahreskonferenz 2025 zur Sprachfähigkeit über Gott
Vom 5. bis 7. März 2025 fand die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Berufungspastoral der Orden (AGBO) in Hünfeld statt.
Dieses Mal waren vier Impulsgebende zu Gast: Schwester Adelheid Wenzelmann (Evangel. Kommunität Wülfinghausen), Christoph Nette (Fachreferent für Grundsatzfragen im Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising), Arnulf Salmen (Pressesprecher der DOK) und Bruder Andreas Knapp (Kleine Brüder vom Evangelium).
In den Workshoprunden und in einem Referat zur Lebenswelt junger Erwachsener wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig Sprache ist, um über Gott auch mit nicht-kirchennahen Menschen ins Gespräch zu kommen. Bruder Andreas Knapp gab am Donnerstagabend in seiner Dichterlesung „Wortspiele für Gott“ Impulse, wie wir mit Sprache umgehen. Bruder Lukas Boving OSB hatte den orden.de-Instagram-Kanal der DOK für die Dauer der Tagung übernommen. Seine Kurzvideos zeigen etwas von der Lebendigkeit der Veranstaltung.
Das Treffen endete am Freitag mit einem Konferenzteil, in dem die Ergebnisse dieser Jahreskonferenz besprochen und Informationen über Veranstaltungen aus den verschiedenen Ordensgemeinschaften ausgetauscht wurden.
(Text: AGBO)
Frater Sebastian Fritsch schildert seine Eindrücke.
Ankommen am Aschermittwoch
Die Konferenz begann am Abend des Aschermittwochs mit einem Gottesdienst und einer Kennenlernrunde. Danach gaben die drei Referenten und eine Referentin Einblick in das Konferenzthema und stimmten mit Kurzinhalten auf ihre Workshops ein.
Studientag bot Referat und Workshops
Der 6. März, der eigentliche „Studientag“, stand ganz im Zeichen von Sprache. Im Einstiegsreferat zur „Lebenswelt junger Erwachsener“ von Christoph Nette wurde deutlich, wie wichtig Sprache ist, um auch mit kirchlich nicht sozialisierten Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen.
Der Fachreferent für Grundsatzfragen vom Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising gab uns einen spannenden Einblick in verschiedene Jugendstudien der letzten Jahre, unter anderem von der Friedrich-Ebert-Stiftung Jugendstudien zeigen immer auf, wohin sich Gesellschaften bewegen. Sie gelten als Frühindikatoren des gesellschaftlichen Wandels.
In diesem Referat ging es um die Einstellungen, Einsamkeit und Lebenszufriedenheiten der jungen Erwachsenen: So sind die meisten Jugendlichen optimistisch gestimmt, dennoch nimmt die Zahl der Verunsicherten zu; doch sie zeigen Vertrauen in die Demokratie und in das deutsche Staatswesen; politisch und gesellschaftlich beschäftigen sich die jungen Leute mit der Migration, dem Umwelt- und Klimaschutz, Inflation, Armut und Kriegen in Europa;
Ein zentrales Thema betrifft die Einsamkeit bei den jungen Leuten im Alter von 14 bis 30 Jahren; diese wird als ein unangenehmes, schmerzhaftes Gefühl erlebt, wenn Menschen die Menge und die Qualität ihrer sozialen Beziehungen als unzureichend wahrnehmen. Lange wurde Einsamkeit als ein Problem des hohen Alters angesehen, nach der Covid-Pandemie stieg die Einsamkeit rasant an; generell sind mehr weibliche als männliche Jugendliche einsam; Junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren sollten als neue Risikogruppe für Einsamkeit gesehen werden. Auch ist die emotionale Einsamkeit verbreiteter als die soziale Einsamkeit - somit hat sich die Qualität der Einsamkeit verändert. Während die Anzahl der Kontakte wieder als ausreichend empfunden wird, trifft dies auf deren Qualität noch nicht zu.
Daraus entstehen neue Konsequenzen für die Pastoral mit jungen Erwachsenen:
So gilt es ein Bewusstsein / Sensibilität für das Thema in der Zielgruppe zu entwickeln; Besonders zu beachten sind beispielsweise Geschlecht, geschieden/verwitwet, Migrationshintergrund; Weitere Faktoren betreffen die Passgenauigkeit hinsichtlich der Differenzen in der Zielgruppe (Differenzsensibilität), die aktive Einbeziehung der Zielgruppe (Stichwort: Partizipation), aber auch eine Begleitung in Übergangssituationen mit Fokus auf das Thema Einsamkeit (Jobwechsel, Wohnortwechsel, Beziehungsende). Generell gelte es Angebote (auch) als Interventionen verstehen und (auch) so gestalten;
Als letzten Punkt nahm Referent Christoph Nette die Lebenszufriedenheit junger Erwachsener in den Blick. Sein Fazit: Es existiere eine moderat negative Korrelation zwischen Lebenszufriedenheiten und Einsamkeit, das heißt: einsame Menschen waren tendenziell weniger zufrieden mit ihrem Leben und im Umkehrschluss: nicht-einsame Menschen sind daher zufriedener;
In der nächsten Runde konnten sich die Teilnehmenden dann drei von vier Workshops aussuchen.
Bericht aus einem Workshop:
So war ich zum Beispiel bei einem Workshop mit Bruder Andreas Knapp. Hier ging es um die einfache und leichte Sprache, also um eine verständliche Sprache, die wir benutzen sollten. Zunächst achteten wir darauf in welchen Bereichen wie und womit gesprochen wird: religiös, einfach, Alltag. Anschließend wurden unsere Worte und Gedanken, die wir notiert hatten, in einen lyrischen Text, ein Gebet, verwandelt. In einem Rollenspiel ging man zu zweit später der Frage nach “Wie kannst du mit Gott leben?” Man merkte schnell, dass man an die Grenzen der eigenen Sprache kommt, um der persönlichen Beziehung zu Gott Ausdruck zu verleihen.
Der “Insta-Bruder” war immer zur Stelle
Wer in den sozialen Medien – besonderes auf Instagram – unterwegs ist, dem ist Bruder Lukas Boving, Benediktiner vom Kloster Nütschau, sicher schon virtuell begegnet. (siehe auch Gruppenfoto, ganz vorne rechts) Wir durften ihn auf dieser Tagung kennenlernen, natürlich nie ohne Mikrofon und Kamera. Vor seinen spontanen Aufforderungen: „Erkläre deine Ordensgemeinschaft in drei Worten“ oder „Deine Lieblingsheilige oder dein Lieblingsheiliger, bitte!“ war fast niemand sicher.
Abschluss und Ausblick
Die Tagung endete am Freitag mit dem offiziellen Konferenzteil: Kassenbericht, Ausblick und anfällige Themen. Gegen Mittag verabschiedeten sich die Teilnehmenden wieder mit der Vorfreude auf das nächste Jahrestreffen.
Mein persönliches Fazit:
Der Austausch mit den anderen Ordensleuten war für mich sehr bereichernd, da man spüren konnte, dass jeder hinter seiner Berufung steht und diese ausstrahlt und lebt. Verschiedene Aspekte wurden beleuchtet und gezeigt wie wichtig generell eine passgenaue Kommunikation und der Umgang mit den modernen Medien sind.
Die meisten Ordensgemeinschaften haben das Problem des fehlenden Nachwuchses, gemeinsam könnte man gute Ansätze entwickeln diesem entgegenzusteuern; so könnte man versuchen, über die neuen Medien junge Leute anzusprechen - und auf deren Fragen und Sehnsüchte gemeinsam Antworten zu finden - und sie so vielleicht sogar auf ein Leben in der Gemeinschaft, in einem Orden, neugierig zu machen.
Über Gott reden – heißt für mich:
Die Freude und den Glauben an Gott, das Vertrauen, dass er mir hilft, zu verkünden. Dies geschieht jeden Tag und auf unterschiedliche Art und Weise: durch das Musizieren und Singen, einen Habit zu tragen, also "sichtbar zu sein" und auch mit Freude und Dankbarkeit durch das Leben zu gehen. Und es geschieht auch durch die Sprache: Zuversichtlich und überzeugend vom eigenen Glauben und Gottvertrauen zu berichten.
Frater Sebastian Fritsch/kio
Fotos; © AGBO
Insta-Account: Deutsche Ordensobernkonferenz (@orden.de) • Instagram-Fotos und -Videos








