Studientag in Regensburg

(25.09.2025)

“Spiritual Care” ist ein Begriff, der aktuell oft im Gesundheitswesen zu hören ist.  Dies meint die ganzheitliche Sorge von Medizin, Pflege und anderen Gesundheitsberufen für die Spiritualität kranker Menschen, aber auch für die eigene Spiritualität. All dies gehört zum Ordensauftrag, der “Herzmitte”, des Ordens der Barmherzigen Brüder. Bei einem Studientag vertieften die Ordensbrüder das Thema.

Was Menschen heilig ist

Studientag der Barmherzigen Brüder zu „Spiritual Care“ in Regensburg

In das aktuelle Thema „Spiritual Care“ führte Dr. Margit Gratz die Barmherzigen Brüder bei einem Studientag am 20. September in Regensburg ein. Dabei vermittelte die Referentin für Spiritual Care, Ethik und Hospitalität bei den Barmherzigen Brüdern Bayern, was mit Spiritual Care gemeint ist, den aktuellen Stand des Fachdiskurses sowie die Passung und Perspektiven bei den Barmherzigen Brüdern. 

Als ein „schon lange wichtiges Anliegen im Orden der Barmherzigen Brüder“ bezeichnete Frater Rudolf Knopp bei der Begrüßung seiner Mitbrüder Spiritual Care, auch wenn es dafür zuvor in den Ordensdokumenten andere Begrifflichkeiten wie Humanisierung gegeben habe. Auch Margit Gratz, die seit Sommer 2024 für den Orden der Barmherzigen Brüder tätig ist, zeigte sich freudig erstaunt, dass der Hospitalorden die ganzheitliche Sorge um den Menschen schon früh in den Mittelpunkt seines Tuns gestellt hat.

Die Ganzheitlichkeit kommt auch im Konzept von Spiritual Care zum Ausdruck: Sie nimmt den ganzen Menschen in den Blick: physisch, psychisch, sozial und spirituell mit seinen Lebenserfahrungen, grundlegende Bedürfnissen, mit seinen konkreten Nöten und Fragen. Hinter vordergründig banalen Aussagen wie: „Immer, wenn ich in den Wald ging, tat es mir gut“ können existenzielle Aussagen stehen. Mitarbeitende in Gesundheits- und Heilberufen zu sensibilisieren, die Bedürfnisse von alten, kranken und beeinträchtigten Menschen wahrzunehmen, ist Margit Gratz ein Anliegen. Sie vermittelt dies durch Bildungsangebote wie der “Gelebten Gastfreundschaft”, der Führungskräfteentwicklung und in Direktoriumsfortbildungen. 

Was ist nun unter Spiritual Care zu verstehen? „Spiritualität“ ist weiter zu fassen als Religiosität und unterscheidet sich auch von seelsorgeorientierten Angeboten, die sich eher an Menschen richten, die einer Religionsgemeinschaft angehören. Aber auch nicht-konfessionell gebundene Menschen stellen sich Fragen wie: Was ist mir heilig?“ oder „Was ist mir wichtig im Leben?“ Gerade angesichts von Lebenskrisen wie einer schweren Krankheit kommen diese Fragen vermehrt hoch. 

Ein offenes Ohr

Menschen, die geschult sind in Spiritual Care, haben ein offenes Ohr für ihr Gegenüber, wenn dieser, zum Beispiel im Rahmen der Grundpflege oder bei Anwendungen der Physiotherapie von prägenden Lebensereignissen berichten (Kriegstraumata, verlorene Kinder, Schuldgefühle…). Diese Fragen fordern nicht nur Betroffene und ihre Angehörige heraus, sondern auch Ärzte, Pflegende usw., die mit ihnen in Berührung kommen. 

Durch Spiritual Care sollen gemeinsam Antworten auf die Fragen gefunden werden: „Was trägt und stärkt mich in meiner Lebenssituation?“ oder „Was hilft, mir, durch eine Lebenskrise zu kommen?“. Es geht darum, die Menschen in der Selbstsorge (Self Care) zu unterstützen. Die Antworten auf die oben genannten Fragen fallen sehr individuell aus: Die Beziehung zu Gott, Familie, Freundschaft, Krafttanken in der Natur, Musik usw. Konkret können in Spiritual Care Geschulte Bewältigungsstrategien anbieten, beispielsweise durch das Abspielen einer CD mit Vogelgezwitscher, wenn jemand gern im Wald unterwegs war oder das Singen von Marienliedern, wenn der Betroffene regelmäßig nach Altötting gepilgert ist.

Die Passung von Spiritual Care zur Ausrichtung des Ordens der Barmherzigen Brüder veranschaulichte die Referentin anhand eines Bildes: Spiritual Care ist in der Herzmitte des Ordensauftrags („Das Herz befehle“) zu finden. Noch einmal betonte Gratz, dass Spiritual Care im Hospitalorden genauso implementiert sei wie etwa die Ordenswerte. Es gehe darum, den Gedanken in die Praxis zu bringen, um Menschen in ihrer Selbstsorge zu unterstützen. Spiritual Care sei eine Haltungsfrage, die von Mitarbeitenden verinnerlicht werden solle, so Gratz. Anhand eines Mindmaps stellte sie zudem Zukunftsperspektiven vor, insbesondere für den Bildungsbereich.

Im Anschluss an die inspirierende Beschäftigung mit der spirituellen Begleitung von Menschen feierten die Teilnehmer des Studientags in der Marienkapelle eine heilige Messe am Gedenktag „Maria, Heil der Kranken“ und schlossen darin die Anliegen der kranken und bedürftigen Menschen mit ein. 

Frater Magnus Morhardt