Besinnungstag der Barmherzigen Brüder
Ein populärer Heiliger
Besinnungstag der Barmherzigen Brüder zum heiligen Nikolaus
Der heilige Nikolaus von Myra, dessen griechischer Name „Sieg des Volkes“ bedeutet, ist trotz seiner breiten Verehrung in Ost- und Westkirche historisch nur schwer greifbar. Erst eine Heiligenvita aus dem 6. Jahrhundert, also sehr spät, gibt einen Einblick in das Leben des Bischofs von Myra. Pater Gabriel Wolf, Prämonstratenser des Klosters Windberg und Oberpfarrer der Bundespolizei, vermittelte den Barmherzigen Brüdern einen Eindruck in sein Leben und Wirken.
Nikolaus wurde zwischen 270 und 286 in Kleinasien geboren und starb an einem 6. Dezember um 343 in seiner Bischofsstadt Myra in der heutigen Türkei. Sein Onkel gleichen Namens weihte Nikolaus zum Priester, woraufhin dieser ins Heilige Land pilgerte. Wieder zurück ernannte ihn die Gemeinde von Myra zu ihrem Bischof, ein Amt, das er als vorbildlicher Hirte ausübte. Außerdem wird er als mildtätig beschrieben, worin die Legenden und das Brauchtum, besonders das Beschenken von Kindern und Erwachsenen ihren Ursprung haben. Nikolaus von Myra wurde während einer Christenverfolgung gefangengenommen und gefoltert und nahm im Jahr 325 am Ersten Ökumenischen Konzil in Nicäa teil. Nach seinem Tod wurde Nikolaus zunächst in der östlichen Kirche verehrt. Seine Reliquien wurden 1087 gewaltsam von Myra nach Bari (Italien), wo sie heute aufbewahrt werden. Der Nikolauskult verbreitete sich daraufhin rasch in der Westkirche; es wurden ihm zahlreiche Kirchen geweiht.
Ein Verteidiger des Glaubens
Auch wenn der Name des heiligen Nikolaus nicht in allen Teilnehmerlisten auftaucht, so ist doch breit bezeugt, dass Nikolaus am Ersten Ökumenischen Konzil im Jahr 325 teilgenommen hat. Pater Gabriel Wolf erläuterte anlässlich des 1700-Jahr-Jubiläums diese theologisch wie kirchengeschichtlich wichtige Kirchenversammlung. Auch Papst Leo XIV. würdigte das Konzil mit einer Reise Ende November an den Tagungsort. Beim Konzil von Nicäa ging es um eine erste Definition des christlichen Glaubens. Insbesondere bekannten sich die Bischöfe dazu, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Der Theologe Arius, dessen Lehre auch nach dem Konzil noch sehr verbreitet war, leugnete die Gottheit Jesu Christi.
Bischof Nikolaus von Myra, der sich weniger als großer Theologe und Kirchenlehrer, sondern mehr als mildtätiger und praktisch veranlagter Seelsorger einen Namen gemacht hat, reagierte auf die Irrlehre, indem er Arius eine Ohrfeige gab. Diese Ohrfeige wurde von den Konzilsvätern als Affront gesehen und bestraft. Doch Nikolaus konnte weiter am Konzil teilnehmen. Pater Gabriel Wolf sieht in dem Backenstreich keinen Aufruf zur Gewalttätigkeit, sondern einen Ausdruck des „heiligen Eifers“ des Bischofs Nikolaus. Im Letzten blieb der heilige Bischof nicht wegen der Ohrfeige in Erinnerung, sondern als Verteidiger des Glaubens, als tätiger Christ und vorbildlicher Hirte der Kirche.
Vom Gabenbringer zum Hilfspädagogen
Nach einer kurzen Pause stellte Frater Rudolf Knopp sinnvolles und sinnentleertes Brauchtum vor, das sich um die Person des heiligen Nikolaus gebildet hat. Zahlreiche Legenden beziehen sich auf das Leben und Wirken des Bischofs: Das Kornwunder als Errettung seiner Bischofsstadt in einer Hungersnot, die Erweckung dreier getöteter Scholaren, die Beschenkung von jungen Frauen mit einer Mitgift usw. Nikolaus wurde so zum Gabenbringer in der Adventszeit, wo er teils durch Engel (himmlische Wesen) wie auch durch den Krampus (das Böse steht im Dienst des Guten) oder ähnliche Figuren begleitet wird. Durch den Reformer Martin Luther wurde aus dem Nikolaus schließlich durch das Christkind ergänzt, das an Weihnachten Gaben bringt.
Frater Rudolf Knopp erläuterte den Sinn und Hintergrund des Nikolausbesuchs und seiner Symbole wie das „goldene Buch“, das wie ein kleines Weltgericht erscheint. Äpfel, Mandarinen und Nüsse dienen als Energie- und Vitaminlieferanten im Winter. Mit dem auch heute weit verbreiteten Besuch wurde Nikolaus allerdings vom reinen Gabenbringer zum Hilfspädagogen interpretiert, der Kinder lobt und tadelt.
Nachdem er weiteres Nikolaus-Brauchtum wie Gebildsgebäcke, Klausenbaum und das Bischofsspiel vorgestellt hatte, ging Frater Rudolf Knopp auf säkulare Ausfassungen des heiligen Nikolaus ein. In den USA verschmolz der Santa Claus mit Uncle Sam, einer nationalen Identifikationsfigur, zum Weihnachtsmann. Doch bis zur Verwendung des Weihnachtsmanns durch einen amerikanischen Getränkehersteller 1931 war es ein weiter Weg. Im kommunistischen Russland wurde aus dem in Deutschland bekannten „Herrn Winter“ ein „Väterchen Frost“, sozusagen ein säkularer Nikolaus. Die aus Ungarn stammenden Frater László Kalabér und Frater Bálint Brenner ergänzten die Ausführungen von Frater Rudolf, dass auch in Ungarn der heilige Nikolaus dem 6. Dezember Gaben bringt. Eine Besonderheit sei hier der sogenannte Salonzucker, der auch als Christbaumdekoration verwendet wird.
Pater Gabriel Wolf feierte nach diesen beiden bereichernden Vorträgen mit den Brüdern in der Marienkapelle die heilige Messe und stellte ihnen die Tagesheilige Luzia als Vorbild des Lichtbringens zu den Mitmenschen dar.
Frater Magnus Morhardt
(c) Fotos: dito









