Besinnungstag der Barmherzigen Brüder

(02.07.2026)

Viele lesen die Bibel um Antworten auf Fragen des Lebens zu finden. Andere preisen den HERRN mit Psalmen. Selten beschäftigt man sich mit dem Humor Jesu. Dies taten die Barmherzigen Brüder an ihrem Besinnungstag am 27. Juni in München. 

„Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr…“

Besinnungstag der Barmherzigen Brüder über den Humor Jesu

Die sengende Hitze schreckte 15 Barmherzige Brüder nicht ab, am 27. Juni zu einem Besinnungstag nach München zu kommen. Denn das Thema, der Witz und Humor Jesu, ließ sie neugierig werden. Der Karmelit Pater Felix M. Schandl, der dem Konvent Bamberg angehört und in Deggendorf als Hochschulseelsorger tätig ist, zeigte den Brüdern, dass es sich dabei nicht um einen „Schenkelklopfer“-Humor handelt, sondern um ein subtiles und satirisches Die-Wahrheit-Sagen, dass die Menschen zum Vertrauen auf Gott ermuntert. 

Jesus kann durchaus Satire, so die These von Pater Felix Schandl, die er anhand verschiedener Stellen der sogenannten synoptischen Evangelien darlegte. Jesus gehe es nicht darum, beispelsweise  Schriftgelehrte und Pharisäer oder Menschen, die an ihrem Reichtum hängen, mit seinen Aussagen zu verletzen, sondern ihnen mit Esprit und Niveau einen Spiegel vorzuhalten, weil er anders nicht an sie herankommt. Dass er durchaus Sympathien für die Angehörigen der damaligen religiösen Elite hegt, zeigt etwa die Teilnahme am Gastmahl des Pharisäers Simon (Lk 7). Jesus sagt – nach einem Wort des römischen Dichters Horaz – „lächelnd die Wahrheit“, weil er um die von Gott kommende Wahrheit weiß, dabei aber nicht rechthaberisch ist. 

Mit konkreten Beispielen aus den Evangelien beleuchtete der Karmelit den Humor Jesu: Jesus weist die zwölf Jünger bei ihrer Verkündigungsreise an, den Staub von den Sandalen zu klopfen: „Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis.“ (Mk 6,11). Laut dem Evangelisten Markus war Jesus an dieser Stelle verständnisvoller wie die Evangelisten Matthaus und Lukas, wo das Staub-Abschütteln mit Drohungen gegen die Städte verbunden wurde. 

Am Ende steht die Erlösung

Auch beim Aufruf, Gott zu vertrauen, greift Jesus auf für uns ungewöhnliche Bilder zurück: Dass der Mensch mehr wert ist als viele Spatzen, die es für ein Pfenning pro Paar zu kaufen gibt bzw. dass sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt sind (vgl. Mt 10,29-31). Die Bilder sind eingebettet in einen Abschnitt, in dem Jesus seinen Anhängern Hass und Verfolgung prophezeit. Und dennoch steht am Ende die Erlösung. Der Humor Jesu kommt häufig in sehr ernsten Worten zum Ausdruck.

In einer anderen Szene begegnet Jesus einem Mann, der das ewige Leben gewinnen will (Mk 10,17-31). Weil er an seinem Besitz hängt, nützt ihm die Einhaltung der Zehn Gebote allein nichts. Der Mann geht traurig weg. Daraufhin sagt Jesus zu seinen Jüngern, die bestürzt reagieren: „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10,25). Ob es sich nun in der Übersetzung um ein „Kamel“ (kamelos) oder um ein „Schiffstau“ (kamilos) handelt und ob das Kamel durch eine schmale Gasse, das Nadelöhr, gehen muss, die Vorstellung ist jeweils grotesk. Es geht im Gleichnis Jesu um das ängstliche Festhalten am Besitz – oder aber um das Loslassen, um in das Reich Gottes zu gelangen. Aber auch ein Reicher hat Chancen auf das Reich Gottes, denn „für Gott ist alles möglich“ (V. 27). Er muss sich nur bewusst sein, dass z.B. Motten oder Einbrecher (Mt 6,20) den Besitz zerstören bzw. rauben können. 

„Heulen und Zähneknirschen“

Mit den Begriffen „Heulen“ und „Zähneknirschen“ spricht Jesus an verschiedenen Stellen eine Warnung vor der ewigen Gottferne aus (z.B. Mt 25,30). Diese Warnung gilt insbesondere denen, die andere gern in die Hölle schicken würden. Doch Gott vermittelt immer Hoffnung. 

Im zweiten Teil ging der Referent insbesondere auf Jesu Worte zum Beten ein. Jesus lehrt seine Jünger in Lk 11 das Vaterunser. Dass der Beter durchaus von Gott auf seine Weise beschenkt wird, wenn er nur beharrlich bittet, führt das Evangelium mit humoristischen Bildern aus: Gott wird mit einem Hausvater verglichen, der nur deshalb die Bitte seines Freundes erfüllt, damit er seine Ruhe hat (Lk 11,5-8). Und weiter lädt Jesus die Menschen ein, seinen Vater im Himmel um Gutes zu bitten. Dieser wird ihnen nicht eine Schlange statt eines Fischs oder einen Skorpion statt eines Eies geben. Gott täuscht nicht und gibt den Seien nicht etwas, das aussieht wie ein Fisch, aber eine Schlange ist. 

Pater Felix Schandl gelang es beim Besinnungstag zu zeigen, dass die Bibel viel Humor hat. Es war eine Einladung, sich auch unter diesem Aspekt mit der Heiligen Schrift zu beschäftigen. Nach seinen geistlichen Ausführungen feierte der Karmelit mit den Brüdern in der Münchner Krankenhauskirche eine heilige Messe, ehe ein Mittagessen den Besinnungstag in sommerlicher Hitze beschloss.

Text und Fotos: Frater Magnus Morhardt