400 Jahre Barmherzige Brüder in Bayern

(08.11.2022)

Am 11. November 1622 wurde von Herzog Wolfgang Wilhelm in Neuburg an der Donau die erste Niederlassung gestiftet – der Orden stellt sich aktuellen Herausforderungen - Presseinformation zum Jubiläum

Der Orden der Barmherzigen Brüder in Bayern feiert in diesem Jahr sein 400-jähriges Bestehen. Als erste Einrichtung stiftete Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg auf Bitte der Barmherzigen Brüder das Hospital St. Wolfgang in Neuburg an der Donau. Am Martinstag 1622 stellte der Herzog die Stiftungsurkunde aus. Deshalb feiern die Barmherzigen Brüder am 11. November 2022 in Neuburg ein Fest, zu dem auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwartet wird.

Heute leisten die Barmherzigen Brüder in Bayern mit Krankenhäusern in München, Regensburg, Schwandorf und Straubing sowie mehreren Medizinischen Versorgungszentren einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung im Freistaat. Außerdem betreibt die Bayerische Ordensprovinz zwei Alten- und Pflegeheime und unterhält Wohnangebote, ambulante Dienste, Förderstätten und Werkstätten für Menschen mit Behinderung in den Regionen Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz und Mittelfranken. Auch das Johannes-Hospiz in München und das von Pfarrer Kneipp gegründete Sebastianeum in Bad Wörishofen gehören zum Orden. In den Einrichtungen werden täglich an die 4.000 Menschen versorgt. Rund 11.000 Mitarbeitende versuchen im Sinne des Ordensgründers Johannes von Gott, Hospitalität – vereinfacht übersetzt mit „Gastfreundschaft“ – zu leben.

Für das Jubiläumsjahr haben die Barmherzigen Brüder das Leitwort „Hospitalität schafft Zukunft“ ausgegeben. Das Jubiläum „sollte keine reine Rückschau werden, vielmehr sollten auch Gegenwart und Zukunft zum Tragen kommen“, heißt es im Vorwort zur fast 200 Seiten umfassenden Festschrift. Und weiter: Das „kreative Wirken im Geist der Hospitalität“ schaffe positive Veränderungen, „die eine gute Zukunft für die Betreuten und für die Mitglieder der Dienstgemeinschaften ermöglichen“.

Dabei verschweigen die Brüder und leitenden Mitarbeiter nicht, dass sie gegenwärtig vor großen Herausforderungen stehen: Frater Rudolf Knopp, Provinzial der Barmherzigen Brüder in Bayern, ist überzeugt, angesichts der aktuellen Krisen seien neue „Aufbrüche“ notwendig. Der Orden müsse seinen „Sendungsauftrag bewusst an die Mitarbeitenden weitergeben“, zudem brauche es mehr Netzwerke unter den Orden und mit der diözesanen Kirche. Zur Schaffung zukunftsfähiger Strukturen zählt für den Provinzial unter anderem die geplante Vereinigung mit der Österreichischen Ordensprovinz.

Geschäftsführer Hans Emmert sieht für den Bereich der Behindertenhilfe vor allem zwei „Baustellen“: Zum einen werde es immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu finden, zum anderen ergäben sich durch die Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes verschiedene Spannungsfelder. Beispielsweise sei die gewünschte „Dezentralisierung und Regionalisierung für große Komplexeinrichtungen nicht einfach zu bewältigen“.

Für das System Krankenhaus diagnostiziert Geschäftsführer Christian Kuhl sowohl akute wie chronische „Erkrankungen“. Zu den akuten Problemen zählten „massive wirtschaftliche Probleme“ durch die aktuellen Kostensteigerungen bei Energie und anderen Bereichen sowie die Belastungen durch die Corona-Pandemie mit hohen Krankheitsquoten bei den Mitarbeitenden sowie einer derzeit wieder ansteigenden Belegung mit Corona-Patientinnen und –Patienten. Als chronische Probleme benennt der Geschäftsführer den Personalmangel, die unzureichende Investitionsförderung durch die Bundesländer sowie die „politisch verordnete überbordende Bürokratie“.

Die Barmherzigen Brüder hatten in den vergangenen 400 Jahren immer wieder mit Widrigkeiten zu kämpfen: Nach der Säkularisation kam ihr Wirken fast zum Stillstand, wenige Jahrzehnte später konnten sie aber ihre Arbeit wieder fortsetzen. Während der Nazizeit wurden aus Einrichtungen des Ordens sehr viele Bewohner mit Behinderung in Vernichtungslagern getötet. In den letzten 50 Jahren gelang es dem Orden dann, mit qualifiziertem Personal die Behindertenhilfe zu modernisieren und schließlich dem Gedanken der Inklusion Geltung zu verschaffen. In der Hospizarbeit gelten die Barmherzigen Brüder, die 1991 in München die erste Palliativstation Bayerns eröffneten, als Pioniere. Der Orden und seine Mitarbeitenden sind trotz der aktuellen Herausforderungen überzeugt, dass sie auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zu einer am Menschen orientierten medizinischen Versorgung und zu einer an Selbstbestimmung und Teilhabe orientierten Assistenz für Menschen mit Behinderung und für alte Menschen leisten können.