

Ordens - ABC
Frater oder Pater?
Viele Zeitgenossen haben ihre liebe Not mit den in der Kirche üblichen Anreden und Bezeichnungen. Dann wird kurzerhand aus „Frater Emerich Steigerwald“ einfachheitshalber ein „Herr Steigerwald“, ohne so recht zu bedenken, dass es bei der Anrede „Frater“ oder „Pater“ um mehr als eine Bezeichnung, nämlich um eine bewusste Haltung als Ordenschrist geht.
Selbst im kirchlichen Umfeld Sozialisierte können zwar noch mit der Bezeichnung „Pater“ umgehen, aber „Frater“? So wird durch Unsicherheit aus „Frater Emerich“ ein „Pater Emerich“.
Wofür stehen die Anreden „Frater“ und „Pater“?
Die lateinische Übersetzung von Pater und Frater: „Vater“ und „Bruder“ bringt erstes Licht in das Dunkel. Da die Anreden „Pater“, „Frater“ und „Bruder“ in den verschiedenen Ordensgemeinschaften unterschiedlich gehandhabt werden, gilt die folgende Erklärung speziell für die Situation bei den Barmherzigen Brüdern. Die Anrede „Pater“ bezieht sich auf Ordensmitglieder, die Priester sind. Es werden aber auch die Prioren und der Provinzial mit „Pater“ angesprochen, obwohl diese in der Regel keine Priester sind. Diese Anrede – „Pater Prior“, „Pater Provinzial“ – ist ein Zeichen der Achtung vor der Verantwortung, die der Betreffende für den Konvent, für die Provinz hat. „Frater“ ist die Anrede für den Barmherzigen Bruder, der nicht Priester und nicht mit einer speziellen Leitungsaufgabe betraut ist.
Das Wort „Pater“ („Vater“) hat auch eine programmatische Bedeutung: In väterlicher Sorge soll der Priester seine Aufgabe an der Gemeinschaft und den Gläubigen ausüben bzw. der Prior und Provinzial in väterlicher Sorge für die Mitbrüder da sein. Ebenso ist es mit dem lateinischen Wort „Frater“ für „Bruder“, das eine direkte Anlehnung an das Selbstverständnis des heiligen Johannes von Gott zulässt, der sich selbst als Bruder aller bezeichnete. In diesem Geist sollen wir für die uns Anvertrauten, für die Mitglieder der Dienstgemeinschaft und für die Freunde und Bekannten des Ordens da sein.
