Geschichte
![]() |
Wie ist der Orden der Barmherzigen Brüder entstanden?
Der heilige Johannes von Gott war eine charismatische, nach außen wirkende Persönlichkeit, die es verstand, Menschen für ihre Ideale zu gewinnen. Nach einem bewegten, ja dramatischen Leben beginnt er, neue Wege im Gesundheitswesen seiner Zeit zu gehen. Er wird zum Reformator der Pflege und Betreuung Hilfesuchender. Er ist ein Mann des Glaubens, der sich von der Liebe Gottes getragen weiß. 1495 in Montemor-o-Novo (Portugal) geboren, verlässt er als Achtjähriger seine Eltern, er arbeitet als Hirte, Soldat, Tagelöhner, Devotionalienhändler, eröffnet schließlich in Granada ein Buchgeschäft und findet in dieser Stadt seine Lebensaufgabe. Sein Aufenthalt im königlichen Hospital in der Stadt Granada veranlasst ihn, 1539 ein eigenes Hospital zu eröffnen.
Johannes von Gott war stets auf der Suche nach den Nöten der Menschen und fortschrittlich im Denken, Planen und Handeln zum Wohle der Hilfsbedürftigen. Er bemühte sich schon damals, die Menschen ganzheitlich zu betreuen. Er legte die Maßstäbe der Barmherzigkeit und der Liebe des Evangeliums Jesu Christi an.
Johannes von Gott ist eine stille soziale Revolution gelungen. Zwei Jahre nach seinem Tod lässt Anton Martin, einer seiner ersten Gefährten, das große Krankenhaus bauen, das heute neben der barocken Basilika des Heiligen in Granada steht. Über Madrid verbreitet sich der bald gegründete Orden der Barmherzigen Brüder in die ganze Welt. Schon um 1600 werden die Krankenhäuser auf der Tiberinsel in Rom, die Charité in Paris und Niederlassungen in Südamerika gegründet. 1605 erfolgt die erste Gründung im deutschsprachigem Gebiet, in Feldsberg (heute Tschechische Republik).
![]() |
Wie versteht sich die Unterschrift des Ordensgründers?
Viele Dinge im Leben des heiligen Johannes von Gott lassen sich nicht exakt bestimmen oder deuten, so ist es auch mit seiner Unterschrift. Zu Lebzeiten des Heiligen war es durchaus üblich, nicht mit seinem Namen, sondern mit einer Namensformel zu unterschreiben. Heute bereitet es einige Schwierigkeiten festzulegen, ob er mit Buchstaben oder Symbolen unterschrieben hat.
Gehen wir von Buchstaben aus, dann würde es bedeuten: Isabella und Ferdinand, dem Königspaar, gehorchend (Ysabella, Ferdinand, obediciendo). Diese Deutung hat ihren Ursprung in der Stiftungsurkunde des königlichen Hospitales zu Granada, in der Isabella und Ferdinand sehr weitreichend eine optimale Betreuung der Kranken definierten, die aber nie umgesetzt wurde.
Geht man hingegen von Symbolen aus, dann könnte das erste Zeichen (y) für die Sammeltasche des Heiligen, das zweite (f) für seinen Wanderstab und das dritte (o) für seine Sammeldose stehen.
Was bedeutet dieses Logo in der Homepage?
![]() |
Aus zwei Gründen steht der Granatapfel für den Orden der Barmherzigen Brüder: Zum einen wurde der Orden in der spanischen Stadt Granada gegründet, die in ihrem Wappen den Granatapfel hat. Zum anderen gilt der Granatapfel bei vielen Völkern als Symbol der Liebe, der Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit. In der katholischen Kirche wurde der Granatapfel schon bald zu einem Symbol für Jesus, ein Zeichen für seine faszinierende Liebe und Hingabe für alle, eine Botschaft gleichsam, dass sein Leben und Leiden für die Welt fruchtbar und zum Heile war.
Den Granatapfel kann man auch als ein Zeichen für den heiligen Johannes von Gott selbst sehen, denn er spiegelt uns Gott in seinen Taten und Worten wider. Diesen Mensch gewordenen menschlichen Gott wollte er den anderen Menschen nahe bringen durch seine ansteckend wirkende, grenzenlose Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten.
Wie die reifen Fruchtkerne aus dem aufbrechenden Granatapfel fallen, so soll auch aus den Händen der Barmherzigen Brüder und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Liebe, Zuneigung und Hilfe kommen.
Wie hat sich die Ordensgemeinschaft in Bayern entwickelt?
Durch die Stiftung eines Spitals durch Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm in Neuburg an der Donau kamen die Brüder von Österreich nach Bayern. Das geschah im Jahr 1622. Der Orden konnte sich durch die Gunst der Wittelsbacher auch über Bayern hinaus ausdehnen.
Aufgrund eines Erlasses von Kaiser Joseph II. mussten die Hospitäler außerhalb Österreichs abgetrennt werden. Auf dem Provinzkapitel 1781 zu Prag wurde der Beschluss gefasst, die Ordenshäuser in Bayern, Schlesien und Westdeutschland zur "Deutschen Provinz zum heiligen Karl Borromäus" zu vereinen. Als Sitz des Provinzialates wurde das Hospital in München bestimmt.
Bedingt durch die politischen Wirren und die Säkularisation wurde die Provinz 1803 aufgelöst. König Ludwig I. hat nach wiederholtem Ansuchen 1831 das Hospital St. Wolfgang in Neuburg dem Orden wieder zurückgegeben.
1851 konnte die bayerische Ordensprovinz errichtet werden. Heute gehören zu unserer Ordensprovinz 18 Einrichtungen, in denen 37 Brüder und über 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind.
Die fortschreitende Spezialisierung auf allen Gebieten der Medizin und die Individualisierung in der Behindertenarbeit haben die Struktur unserer Häuser in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert. Viele neue Mitarbeiter werden in allen Bereichen angestellt und erfüllen zusammen mit den Barmherzigen Brüdern den karitativen Auftrag an alten, kranken und behinderten Menschen.
Wo ist die Zentrale der bayerischen Ordensprovinz?
Die zentrale Verwaltungsstelle einer Ordensprovinz ist das Provinzialat. Hier hat der Provinzial seinen Amtssitz. Neben den Leitungsaufgaben für die Provinz und ihre Einrichtungen ist der Provinzial als Ordensoberer Ansprechpartner für alle Barmherzigen Brüder in Bayern. Auch Impulse für das spirituelle Leben gehen von hier aus.
Die meisten Publikationen über den Orden kommen im "Johann-von-Gott-Verlag" heraus, der dem Provinzialat angegliedert ist. Dazu gehört auch die monatlich erscheinende Zeitschrift der Barmherzigen Brüder in Bayern "Misericordia".
![]() |
Das Wappen der Bayerischen Ordensprovinz
Das linke Feld zeigt das bayerische Rautenwappen und stellt den Bezug zum Wirken der Barmherzigen Brüder in Bayern her.Das rechte Feld zeigt den heiligen Karl Borromäus (1538-1584), den Provinzpatron. Er war ein großer Förderer des jungen Ordens der Barmherzigen Brüder in Mailand und Rom. Selbst war er ein Reformer der Kirche und sozial sehr engagiert. Er war der erste Kardinalprotektor des Ordens.Das untere Feld zeigt den Granatapfel, das Wappen des Gesamtordens.




